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DKFZ-Erfindung ist Novartis 2,1 Milliarden US-Dollar wert

Nr. 57c | 31.10.2018 | von Koh

177-Lutetium PSMA-617 ist ein Wirkstoff gegen fortgeschrittenen Prostatakrebs, der im Deutschen Krebsforschungszentrum und im Universitätsklinikum Heidelberg entwickelt wurde. Maßgeblich beteiligt an der Entwicklung des Radiotherapeutikums waren im DKFZ Michael Eisenhut, Matthias Eder und Klaus Kopka sowie im Universitätsklinikum Heidelberg der Nuklearmediziner Uwe Haberkorn.

Das Prostata-spezifische Membranantigen (PSMA) ist das Zielmolekül für den im DKFZ entwickelten Wirkstoff 177-Lutetium-PSMA-617
© PDB, Wikimedia Commons

Das DKFZ hat den Wirkstoff zunächst zur präklinischen Entwicklung exklusiv an die ABX GmbH in Radeberg auslizenziert. 2017 erwarb die US amerikanische Endocyte Inc. die Lizenzrechte von ABX. Das Unternehmen hat inzwischen eine Klinische Phase III-Studie gestartet zur Zulassung des Wirkstoffs gegen fortgeschrittenen Prostatakrebs, der auf eine Hormontherapie nicht anspricht.

Nun hat Novartis, eines der weltgrößten Pharmaunternehmen, sein Angebot zur Übernahme von Endocyte in Höhe von 2,1 Milliarden US Dollar bekannt gegeben. Der Schweizer Pharma-Riese traut dem Wirkstoff, der frühestens 2021 auf den Markt kommen wird, mehr als eine Milliarde US Dollar Jahresumsatz zu.

Bei 177-Lutetium PSMA-617 handelt es sich um einen mit radioaktivem Lutetium-177 gekoppelten Liganden, der an das Prostata-spezifische Membranantigen, kurz PSMA, passgenau andocken kann. Die Mehrzahl aller Prostatakrebszellen trägt das Glykoprotein PSMA auf ihrer Zellmembran, im übrigen Körper kommt es dagegen kaum vor. Die Krebszellen nehmen den Wirkstoff ins Zellinnere auf, so dass er sich in den Tumoren anreichert und von innen heraus seine tödliche Strahlendosis abgibt, was die Wirkung der Therapie besonders präzise und zielgenau macht.

Das besondere an den Wirkstoffen der PSMA-617 Familie ist, dass sich derselbe Ligand sowohl mit diagnostischen (z.B. Gallium-68) als auch mit verschiedenen therapeutischen Strahlern (Lutetium-177, Actinium 225) koppeln lässt und daher sowohl für die Krebsdiagnostik als auch für die Krebstherapie eingesetzt werden kann.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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