Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Prostatakrebs doppelt sichtbar machen

Nr. 35c | 26.06.2017 | von Koh

Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum entwickeln ein Radiopharmakon, das Prostatakrebs auf zwei verschiedene Weisen sichtbar macht: Über eine radioaktive Markierung können der Tumor oder seine Metastasen im Körper aufgespürt werden. Gleichzeitig hilft ein gekoppelter Fluoreszenzfarbstoff dem Chirurgen während der Operation, das Krebsgewebe zu erkennen und sicher zu entfernen.

Das bimodale Radiopharmakon erzeugt einen in der Fluoreszenzmikroskopie erkennbaren Kontrast zwischen PSMA-positiven Tumorzellen (links) und PSMA-negativen Zellen (rechts). Dadurch lässt sich bei der Operation bösartiges Gewebe besser erkennen.
© Baranski/DKFZ

Das so genannte bimodale Radiopharmakon bindet an das Prostata-spezifische Membranantigen (PSMA). Dieses Protein ist auf der Oberfläche gesunder Prostatazellen vorhanden, sehr viel mehr aber auf Prostatakrebs-Zellen. Im übrigen Körper kommt das Protein kaum vor. PSMA ist deshalb ein ideales Zielmolekül für die Diagnostik und zugleich auch für zielgerichtete Therapien von Prostatakrebs.

Die radioaktive Markierung des bimodalen Pharmakons als PET Tracer erlaubt, den Tumor und seine Metastasen mit einem bildgebenden Verfahren zu lokalisieren, über eine Kombination aus Positronen-Emissionstomographie (PET) und Computertomographie (CT) bzw. Magnetresonanztomographie (MRT). Diese nicht-invasive Bildgebung kann zur Operationsplanung genutzt werden.

Während der Operation hilft dann der an das Pharmakon gekoppelte Fluoreszenzfarbstoff dem Chirurgen zwischen bösartigem und gesundem Gewebe zu unterscheiden, so dass er das Tumorgewebe sehr präzise entfernen kann. Dieser Ansatz, der Bildgebung und Therapie vereint, soll die Effektivität von operativen Eingriffen deutlich verbessern.

© Baranski/DKFZ

Ann-Christin Baranski vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) wurde für dieses Projekt während der Jahrestagung der Society of Nuclear Medicine and Molecular Imaging 2017 (SNMMI) mit dem „Image of the Year Award" ausgezeichnet.Die SNMMI vergibt den renommierten Preis für besonders vielversprechende radiopharmazeutische Entwicklungen in der Nuklearmedizin und molekularen Bildgebung.

Das Projekt unter der Leitung von Matthias Eder, Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) Freiburg, und Klaus Kopka, DKFZ, wird seit 2016 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung über das VIP+-Programm gefördert. Diese Fördermaßnahme soll Wissenschaftler dabei unterstützen, das Innovationspotenzial von Forschungsergebnissen zu prüfen und nachzuweisen sowie mögliche Anwendungsbereiche zu erschließen.

Das Ziel der Forscher ist eine erste klinische Anwendung des bimodalen Radiopharmakons, das gleichzeitig für die nuklearmedizinische Bildgebung (PET/MRT oder PET/CT) und für die sich anschließende intraoperative Fluoreszenz-geführte Navigation während der Roboter-assistierten Entfernung des Prostatakarzinoms und seiner Metastasen verwendet werden kann.

Weitere Informationen:
http://www.snmmi.org/NewsPublications/NewsDetail.aspx?ItemNumber=24411
http://www.auntminnie.com/index.aspx?sec=sup&sub=mol&pag=dis&ItemID=117606

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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