Kommunikation und Marketing

Deutsche Biobanken – europaweit vernetzt

Nr. 23c | 03.05.2017 | von Koh

Elf deutsche Biobankstandorte schließen sich ab dem 1. Mai 2017 in der German Biobank Alliance (GBA) zusammen, um den Weg für einen nationalen und europaweiten Bioproben- und Datenaustausch zwischen Biobanken zu ebnen. Das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg koordiniert als Expertenzentrum die IT in dem Verbund. Die GBA wird dabei neue technische Lösungen nutzen, die speziell für den Austausch klinischer Daten im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) entwickelt wurden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Biobankenallianz bis 2020 mit 14,4 Millionen Euro.

© DKFZ/Jutta Jung

„Die deutschen Biobanken engagieren sich in einer wegweisenden gemeinsamen Initiative, die die Grundlage für eine neue Generation von europaweit vernetzten Biobanken schafft", erläutert die Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates der Initiative, Prof. Dr. Fay Betsou (Integrated Biobank of Luxembourg).

„Vernetzte, hochmoderne Biobanken tragen entscheidend dazu bei, innovative diagnostische Methoden und Therapien für die Behandlung von Patienten zu entwickeln", erläutert der GBA-Koordinator Prof. Dr. Michael Hummel (Charité Berlin). Biobanken sammeln und lagern Blut, Gewebe sowie anderes Körpermaterial und stellen dies für die biomedizinische Forschung zur Verfügung. So entstehen bedeutende Proben- und Datenspeicher für die Erforschung von Erkrankungen.

Vernetzte Biobanken sind eine essentielle Grundlage für die biomedizinische Forschung

„Damit Forscher zukünftig über Biobanken hinweg nach Proben und Daten suchen und biobankübergreifende Kollektive für Forschungsprojekte zusammenstellen können, müssen die IT-Strukturen zwischen Biobanken harmonisiert werden", so Dr. Martin Lablans, Leiter des IT-Expertenzentrums am Deutschen Krebsforschungszentrum. Insgesamt 20 IT-Spezialisten an 13 Standorten werden zusammenarbeiten, um in jeder Biobank Daten zum Probenmaterial mit relevanten klinischen Informationen zu verknüpfen und unter Einhaltung des hohen deutschen Datenschutzniveaus standortübergreifend verfügbar zu machen. Dazu bauen sie auf Konzepten und freier Software aus dem Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) auf, die in der GBA weiterentwickelt und wiederum zur Nutzung durch Forschungsverbünde kostenlos veröffentlicht werden sollen.

Weitere Harmonisierungsprozesse für den Austausch von Daten und für die Qualität der Biomaterialien, in Verbindung mit den dazugehörigen klinischen Informationen, sind notwendig, aber auch ethische und rechtliche Aspekte müssen diskutiert und angeglichen werden. Nur so lassen sich Biomaterial und deren Daten über Biobanken und Ländergrenzen hinweg für die Forschung zusammenführen und nutzen.

Biobanken beschleunigen die Entwicklung neuer Diagnostika und Therapeutika

„Der Aufwand lohnt sich, denn vernetzte Biobanken mit einer hohen Probenqualität sind die Basis für eine aussagekräftige, reproduzierbare medizinische Forschung", erläutert Michael Hummel. Die Qualität und Verfügbarkeit der Biomaterialien und der assoziierten Daten sind von entscheidender Bedeutung. Gerade im Hinblick auf die individualisierte Präzisionsmedizin ist die Vernetzung von Biobanken und die Harmonisierung von Datenformaten und Prozessen also essentiell, um aussagekräftige und vergleichbare Analysen durchzuführen zu können.

„Die German Biobank Alliance ist eine ausgezeichnete Chance für die Biobank-Community in Deutschland", so Hummel. „Sie wird dazu beitragen, die biomedizinische Forschung auf lange Sicht zu beschleunigen und die Position Deutschlands in der europäischen und internationalen Forschungsgemeinschaft zu stärken."

Über die German Biobank Alliance

Die German Biobank Alliance wurde 2017 vom German Biobank Node (GBN) initiiert. Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) versteht sich GBN als zentrale Kooperationsplattform für die deutsche Biobankengemeinschaft. Unter dem Dach von GBN arbeiten elf BMBF-geförderte Biobanken und zwei IT-Expertenzentren in der German Biobank Alliance (GBA) zusammen, um vorhandene Biomaterialien verschiedener Biobanken europaweit für die biomedizinische Forschung verfügbar zu machen.

Die German Biobank Alliance im Überblick

Elf deutsche Biobanken haben sich in der German Biobank Alliance (GBA) zusammengeschlossen. Gemeinsam lagern sie fast 14 Millionen Bioproben, die für die Forschung zur Verfügung stehen. Bis 2020 werden sie daran arbeiten, dass diese Proben und Daten zwischen Biobanken in Deutschland und Europa ausgetauscht werden können. Dafür werden gemeinsame IT-Infrastrukturen erarbeitet, Qualitätsstandards implementiert sowie rechtliche und ethische Standards harmonisiert.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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