Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

DKTK Tübingen: Studie mit neu entwickeltem Antikörper gegen Blutkrebs geht an den Start

Nr. 12c | 14.03.2017

Eine Akute Myeloische Leukämie (AML) kann mit gegenwärtig verfügbaren Therapien häufig erfolgreich zurückgedrängt werden. Dabei werden jedoch meist nicht alle Krebszellen eliminiert. Deshalb kehrt die Erkrankung oft wieder und hat dann eine sehr schlechte Prognose. Nun haben Wissenschaftler des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) am Tübinger Universitätsklinikum eine klinische Phase I Studie begonnen. Sie prüfen, ob ein von ihnen entwickelter Antikörper die häufigste akute Leukämie bei Erwachsenen heilen kann.
Im DKTK verbindet sich das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg als Kernzentrum langfristig mit onkologisch besonders ausgewiesenen universitären Partnerstandorten in Deutschland.

Bei Patienten, die an einer AML erkrankt sind, enthält das Knochenmark viel zu viele unreife myeloische Zellen.
© The Armed Forces Institute of Pathology (AFIP), Wikimedia Commons

Die Akute Myeloische Leukämie (AML) ist eine Krebserkrankung des Blutes, die ihren Ursprung von unreifen Vorläufern der Blutzellen nimmt. Erstmals untersuchen nun Ärzte und Wissenschaftler aus Tübingen die Möglichkeit, diese Form von Blutkrebs mit einem neuartigen Antikörper zu heilen. Dieser wird nach einer Standardbehandlung verabreicht, die auch in einer anderen Klinik oder Praxis erfolgen kann. Der Antikörper markiert Leukämiezellen, die nach zunächst scheinbar erfolgreicher Chemotherapie im Körper verbleiben. Die markierten Blutkrebszellen werden dann von den körpereigenen Abwehrzellen erkannt und gezielt abgetötet. Der neue Antikörper ist so verändert, dass er Immunzellen besonders effektiv in Kontakt mit den Krebszellen bringt.

Die klinische Phase I Studie wurde am Universitätsklinikum Tübingen konzipiert und wird in der Abteilung Innere Medizin II (Onkologie, Hämatologie und klinische Immunologie) durchgeführt.

„Mit diesem innovativen Immuntherapieansatz wollen wir das Abwehrsystem des Patienten gezielt aktivieren. Wir hoffen, die Erkrankung damit heilen zu können und schwere Nebenwirkungen, wie sie nach einer Transplantation von Spender-Stammzellen auftreten können, zu vermeiden", so Professor Dr. Helmut Salih, Leiter der klinischen Prüfung.

Möglich wird dieser Ansatz durch die enge Zusammenarbeit der Abteilungen Innere Medizin II am Universitätsklinikum Tübingen, der Abteilung Immunologie am Interfakultären Institut für Zellbiologie der Universität Tübingen sowie der Klinischen Kooperationseinheit Translationale Immunologie im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) am Partnerstandort Tübingen. Im so genannten GMP-Labor (Good Manufacturing Practice) des Uniklinikums wurde der Antikörper gemeinsam mit der Firma Synimmune, einem Spin-off der Abteilung Immunologie entwickelt.

Ärzte können sich unter Helmut.Salih@med.uni-tuebingen.de oder telefonisch (07071 29-83275) über eine mögliche Studienteilnahme ihrer Patienten informieren.

Literatur:
Hofmann M, Grosse-Hovest L, Nübling T, Pyż E, Bamberg ML, Aulwurm A, Bühring HJ, Schwartz K, Haen SP, Schilbach K, Rammensee HG, Salih HR, Jung, G: Generation, selection and preclinical characterization of an Fc-optimized FLT3-antibody for the treatment of myeloid leukaemia. Leukemia (2012) DOI: 10.1038/leu.2011.372

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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