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NAKO-Studienzentrum Mannheim: MRT-Studie als Investition in die präventive Medizin

Nr. 46a | 17.11.2016 | von Koh

Die NAKO ist Deutschlands größte Gesundheitsstudie. In fünf der bundesweit 18 NAKO-Studienzentren sind insgesamt 30.000 NAKO-Teilnehmer eingeladen, zusätzlich zum normalen Untersuchungsprogramm auch an einer Magnetresonanz-Tomographie (MRT) teilzunehmen. Im Winter 2015 startete auch das Studienzentrum Mannheim mit den bildgebenden Untersuchungen. Nun hat der tausendste Mannheimer NAKO-Teilnehmer die einstündige MRT-Untersuchung durchlaufen.

Eine Mitarbeiterin der NAKO-Gesundheitsstudie prüft MRT-Bilder am Monitor
© NAKO Gesundheitsstudie

Fragen an Professor Hans-Ulrich Kauczor, den Leiter der Magnetresonanztomographie im NAKO-Studienzentrum Mannheim

Prof. Kauczor, welche Erkenntnisse erhoffen sich die NAKO-Forscher von den MRT-Untersuchungen?

Wir erwarten von der MRT-Studie vor allem Erkenntnisgewinn für die Früherkennung und die Prävention: Wir prüfen die Bilder auf eine Vielzahl an Veränderungen, die Hinweise auf spätere Erkrankungen geben können. Unser Ziel ist es vor allem zu erkennen, ob diese Veränderungen bereits zu einem Zeitpunkt nachweisbar sind, an dem man den Krankheitsprozess möglicherweise noch aufhalten oder zumindest herauszögern kann! So wollen wir lernen, worauf eine auf Prävention ausgerichtete Medizin in Zukunft besonders achten muss.

Um welche Krankheiten geht es konkret?

Es geht um eine ganze Reihe sehr weit verbreiteter Leiden. Wir schauen beispielsweise auf die Größe verschiedener Organe: Eine vergrößerte Leber kann ein Indiz für eine krankhafte Fettleber sein, das Schrumpfen bestimmter Hirnbereiche dagegen ein starker Hinweis auf eine beginnende Demenz. In beiden Fällen merkt der Betroffene oft noch gar nichts von den Organveränderungen.

Als nächstes betrachten wir das Muskel- und Skelettsystem. Rückenschmerzen gehören zu häufigsten Gründen für Krankmeldungen in Deutschland. Wir untersuchen daher die gesamte Wirbelsäule auf degenerative Veränderungen, übrigens als einzige Gesundheitsstudie überhaupt! Auch der Zustand der Hüftgelenke ist von großer Relevanz: In Deutschland werden doppelt so viele künstliche Hüftgelenke eingesetzt wie in den anderen entwickelten Ländern.

Weiterhin untersuchen wir die Herzleistung und die Verteilung des Fettgewebes im Körper. Fettleibigkeit grassiert weltweit und ist ein Risikofaktor für viele Folgeerkrankungen. Da ist es wichtig, genau zu wissen, ob das Fettgewebe überall im Körper die gleiche Rolle spielt.

Was erfahren die Studienteilnehmer von den MRT-Befunden?

Die NAKO hat einen Katalog an Zufallsbefunden festgelegt, die wir den Teilnehmern mitteilen, weil man hier medizinisch intervenieren kann und auch sollte. Solche Veränderungen erwarten wir bei etwa jeder zehnten Untersuchung. Das sind in sehr seltenen Fällen Hinweise auf akute lebensbedrohliche Erkrankungen, etwa Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Etwas häufiger teilen wir Verdachtsmomente mit, die abgeklärt werden sollten: etwa auf Tumoren oder auf gefährliche Aussackungen der großen Blutgefäße.

Die meisten MRT-Befunde sind für die Teilnehmer nicht interessant oder würden sie völlig unnötig beunruhigen. Wir betonen aber ausdrücklich: Auch wenn ein Teilnehmer keinen Befund von uns erhält, ist das kein „Gütesiegel" für Gesundheit! Die Art und Qualität der NAKO-MRT-Untersuchung ist nicht zur generellen Früherkennung geeignet.

Wie groß ist die Bereitschaft der Mannheimer Studienteilnehmer und Teilnehmerinnen, bei der MRT-Untersuchung mitzumachen?

Die ist sehr groß, dafür ganz herzlichen Dank an unsere Studienteilnehmer! Das MRT kann aus organisatorischen Gründen leider nicht zeitgleich mit den übrigen NAKO-Untersuchungen stattfinden. Das bedeutet, die Teilnehmer müssen einen weiteren Termin dafür einplanen. Hier wäre es eine große Hilfe für uns, wenn die Arbeitgeber im Raum Mannheim größere Bereitschaft zeigten, ihre Mitarbeiter für die NAKO-Untersuchung freizustellen. Schließlich forscht NAKO für eine gesündere Zukunft, das wünschen wir doch alle für unsere Kinder und Enkelkinder!"

Hintergrund

Die NAKO untersucht in den nächsten Jahren bundesweit 200.000 Bürgerinnen und Bürger zwischen 20 und 69 Jahren in 18 Studienzentren. Ziel ist es, Vorbeugung, Früherkennung und Behandlung von Krankheiten wie Krebs, Demenz, Diabetes und anderen zu verbessern. Um die Zusammenhänge zwischen der Entstehung dieser Krankheiten und dem Lebensstil der Betroffenen besser zu verstehen, werden neben medizinischen Untersuchungen auch umfangreiche Befragungen zu den Lebensgewohnheiten wie Ernährung, körperliche Fitness, Arbeitssituation und soziales Umfeld der Teilnehmenden durchgeführt. Die Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Helmholtz-Gemeinschaft und den beteiligten Ländern gefördert. Weitere Informationen unter www.nako.de

Teilnehmen können alle, die vom Mannheimer Einwohnermeldeamt im Rahmen einer Zufallsstichprobe gezogen wurden und daraufhin eine Einladung des Studienzentrums zu einer erweiterten Untersuchung („Level 2") erhalten haben. Eine Teilnahme ohne Einladung ist leider nicht möglich.

Ein Bild zur Pressemitteilung steht zum Download zur Verfügung unter:

http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2016/bilder/Nationale-Kohorte_MRT.jpg
BU: Eine Mitarbeiterin der NAKO-Gesundheitsstudie prüft MRT-Bilder am Monitor

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Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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