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Eine Million Euro für eine neue Norovirus-Therapie

Nr. 27c2 | 08.08.2016

Noroviren lösen weltweit die meisten Fälle von Darmgrippe aus, doch es fehlt nach wie vor an gezielten Therapien gegen die Erreger. Grant Hansman aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum ist es gelungen, eine Art Miniatur-Antikörper – sogenannte Nanobodies – herzustellen, die Noroviren in der Kulturschale zerstören können. Das Bundesforschungsministerium stellt nun 1.164.000 Euro zur Verfügung, um die Nanobodies zu einer wirksamen Therapie gegen Noroviren weiterzuentwickeln.

Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Norovirus-ähnlichen Partikels (VLP) sowie die Darstellung eines Nanobodys. Nano-85 bindet an Norovirus-VLPs und zerlegt sie in ihre Einzelteile.
© Dr. Grant Hansman, DKFZ

Die Infektion mit den hochansteckenden Noroviren ist zwar normalerweise nicht tödlich, kann aber zu teilweise schweren Symptomen wie Durchfall und Erbrechen führen. Die Behandlung beschränkt sich derzeit darauf, den Patienten mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen. „Weil so viele verschiedene Noroviren-Stämme existieren, die sich ständig verändern, ist es äußerst schwierig, eine Impfung oder eine wirksame Therapie zu entwickeln", sagt Grant Hansman, Virologe und Leiter der CHS-Nachwuchsgruppe Noroviren am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Universität Heidelberg. Die Gruppe wird durch die C.H.S.-Stiftung gefördert.

Miniatur Antikörper zerstören Noroviren

Hansman hat mit seiner Arbeitsgruppe so genannte Nanobodies entwickelt – eine Art Miniatur-Antikörper – die an Norovirus-ähnliche Partikel (VLPs) binden und diese zerstören können. Nanobodies erkennen und binden ähnlich wie Antikörper ein bestimmtes Antigen.

Nun konnte Grant Hansman vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderprogrammes „Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung" Mittel in Höhe von 1.164.000 Euro einwerben. Damit will er die Nanobodies zu einer Therapie gegen Noroviren weiterentwickeln und auch für diagnostische Zwecke erproben. Hansman plant, sowohl die bereits vorhandenen Nanobodies zu optimieren als auch neue Miniatur-Antikörper zu entwickeln.

Die Achillesferse der Viren

Nanobodies sind viel kleiner, stabiler und wesentlich einfacher und kostengünstiger herzustellen als herkömmliche Antikörper. Besonders interessant ist für Hansman einer seiner Nanobodies, der zahlreiche verschiedene Norovirus-Stämme erkennt. Er bindet an eine Region des Virus, die bei allen Stämmen fast identisch ist. Somit scheint sie in dieser Form für den Erreger unverzichtbar zu sein. Daher halten es die Wissenschaftler für unwahrscheinlich, dass sich Resistenzen entwickeln. Diese Region könnte die „Achillesferse" der Noroviren und damit ein ideales Ziel für die Entwicklung antiviraler Mittel sein.

Weltweit jährlich über 1,5 Milliarden Norovirus-Infektionen

Weltweit werden jährlich über 1,5 Milliarden Norovirus-Infektionen und über 200.000 Todesfälle gezählt, vor allem in Entwicklungsländern. Noroviren sind auch in Deutschland die am häufigsten gemeldeten Erreger von Magen-Darm Infektionen, mit einer durchschnittlichen Fallzahl von 113.335 Fällen pro Jahr, wobei die Dunkelziffer geschätzt fünf bis zehn Mal höher liegt. Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch, durch kontaminierte Lebensmittel oder Kontakt zu verunreinigten Oberflächen. Noroviren sind hoch infektiös und schon weniger als 100 Viruspartikel reichen für eine erfolgreiche Infektion aus.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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