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Hirntumoren bei Kindern – besser erkennen, wirksamer behandeln

Nr. 21b | 03.06.2015 | von Koh

Am Freitag und Samstag, 5. und 6. Juni, tagt die Arbeitsgruppe Hirntumoren der internationalen Gesellschaft für Kinderonkologie (SIOP) in der Heidelberger Print Media Akademie. Über 200 Kinderonkologen, Neuropathologen und Neurochirurgen sowie Strahlentherapeuten aus aller Welt kommen zusammen, um in Workshops die zukünftigen Standards für die Diagnose und Behandlung von Hirntumoren bei Kindern festzulegen. Ein zentrales Ziel der Konferenz ist es zu prüfen, wo die molekulare Tumoranalyse die klinische Versorgung der kleinen Patienten verbessern kann.

Um verbesserte Therapiestandards sowie um die Einführung molekularer Diagnostik und zielgerichteter Therapien geht es in der geplanten europäischen Studie, die Prof. Olaf Witt vom Universitätsklinikum Heidelberg und vom Deutschen Krebsforschungszentrum koordiniert. Über fünf Jahre hinweg sollen 4000 Kinder mit niedriggradigen Gliomen rekrutiert werden. „Da Hirntumoren bei Kindern zu den eher seltenen Erkrankungen zählen, können wir die nötigen Fallzahlen für solche Studien nur im internationalen Verbund erreichen. In diesem Fall wollen wir Kinder aus 20 europäischen Ländern einschließen“, erklärt der Kinderonkologe Witt.

Besonderes Augenmerk bei der Bewertung der Therapien legen die Ärzte auf mögliche langfristige Folgeschäden der Behandlungen, insbesondere auf die Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem. So wollen sie von Anfang an erfassen, ob sich die Medikamente auf das Sehvermögen, die Motorik und auf die Intelligenz auswirken. Ihr Ziel ist, optimale Wirksamkeit bei spürbar verbesserter Lebensqualität für die betroffenen Kinder zu erreichen.

Auch beim Medulloblastom, dem häufigsten bösartigen Hirntumor bei Kindern, sind klinische Studien mit zielgerichteten Medikamenten in Planung. In einem von Prof. Dr. Stefan Pfister, Universitätsklinikum Heidelberg und Deutsches Krebsforschungszentrum, geleiteten Workshop wollen sich die Experten darüber verständigen, welche molekularen Veränderungen bei Hochrisiko-Medulloblastomen als Zielstrukturen geprüft werden sollen.

Wenn die Therapien immer präziser und gezielter auf die individuelle Erkrankung abgestimmt werden können, muss die Diagnostik mit dieser Entwicklung Schritt halten: Gegenwärtig werden viele der verschiedenen Tumorarten in erster Linie durch mikroskopische Untersuchung des Gewebes voneinander abgegrenzt, was eine große Erfahrung des Pathologen voraussetzt und für manche Krebsarten trotzdem extrem schwierig bleibt. Das Ziel der Ärzte ist es daher, diese Diagnosen durch molekulare Nachweise zu untermauern. In ihren Plenarvorträgen diskutieren Prof. Dr. Andreas von Deimling, Universitätsklinikum Heidelberg und DKFZ, und Dr. David Jones, DKFZ, welche molekularen Signaturen bestimmte Hirntumoren sicher kennzeichnen und in die Routinediagnostik übernommen werden sollten.

Organisiert wird die Konferenz von den Stefan Pfister und Olaf Witt, die beide als Kinderonkologen im Universitätsklinikum tätig sind und zugleich Forschungsgruppen am Deutschen Krebsforschungszentrum leiten.

Zu den Kongress-Vorträgen sind Journalisten herzlich eingeladen.

Das Programm der Tagung steht zur Verfügung unter:
www.dkfz.de/de/aktuelles/download/HeidelbergSIOP-BTG-Program-V8-SMP-rutk-18-05-15.pdf

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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