Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Wie Oxytocin-Signale das Verhalten steuern

Nr. 14c3 | 30.03.2015 | von Koh

Das Neuropeptid Oxytocin beeinflusst das Nervensystem und steuert so menschliche Verhaltensweisen. Valéry Grinevich will herausfinden, auf welchen molekularen Grundlagen diese Steuerung beruht. Der Leiter der Chica und Heinz Schaller-Forschungsgruppe „Neuropeptide“ am Deutschen Krebsforschungszentrum kooperiert dafür mit Kollegen aus den USA, Israel und Frankreich. Das Komitee des internationalen Human Frontier Science Programms hat nun entschieden, das Vorhaben zu fördern.

Neuronen im Maus-Hypothalamus produzieren die Neuropeptide Oxytocin (gelb) und Vasopressin (blau)
© dkfz.de

Lebewesen passen ihr Verhalten an die Umweltbedingungen an. Gesteuert wird diese Anpassung durch Neuromodulatoren, chemische Substanzen, die die Arbeitsweise des Nervensystems beeinflussen. Einer der bekanntesten Neuromodulatoren ist das Neuropeptid Oxytocin, das das menschliche Sozialverhalten positiv beeinflusst. Oxytocin wird von bestimmten Neuronen im Hypothalamus gebildet, deren Ausläufer weit ins Vorderhirn hineinragen und dort eine Vielzahl an Verhaltensweisen steuern - von der Aggression bis hin zum Mitgefühl.

Wie Oxytocin auf molekularer Ebene zu bestimmten Verhaltensmustern führt, wollen Dr. Valéry Grinevich und seine Mitstreiter nun herausfinden. Ihre Theorie ist, dass die Oxytocin-produzierenden Neuronen funktionelle Module ausbilden, die jeweils mit einem bestimmten Sozialverhalten assoziiert sind.

Dies prüfen die Forscher an einer bestimmten Region des Hypothalamus, dem paraventriculären Nukleus. Von dort gehen die meisten Ausläufer der Oxytocin-produzierenden Neuronen aus. Mit einer neuen molekularbiologischen Technik können sie an Ratten einzelne dieser Neuronen, die bei einem bestimmten Sozialverhalten aktiviert sind, markieren und sichtbar machen. Ziel ist es, so die Verschaltung der Module, die ein bestimmtes Sozialverhalten steuern, zu analysieren und mathematisch darzustellen.

Der Projektleiter Valéry Grinevich kooperiert bei diesem Vorhaben mit den Forschungsgruppen von Josef Buxbaum (New York), David Hansel (Paris) und Shlomo Wagner (Haifa).

Das 1989 gegründete internationale Human Frontier Science Programm hat das Ziel, grenzüberschreitende herausragende Projekte in den Lebenswissenschaften zu fördern. Die Organisation finanziert das Kooperationsprojekt von Valéry Grinevich und seinen Kollegen über drei Jahre mit jährlich 450.000 $. Die Förderung wird in einem hochkompetitiven Auswahlverfahren vergeben: Von ursprünglich 1011 Projektideen wurden nur 21 zur Förderung ausgewählt.

Valéry Grinevich studierte in Kursk, St. Petersburg und in Moskau. Im Anschluss an seine Habilitation forschte er an den National Institutes of Health in Bethesda, USA, an der Universität Jena, an der Staatlichen Russischen Medizinischen Universität in Moskau sowie an der Northwestern-Universität in Chicago. Von 2008 bis 2012 war Grinevich Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Medizinische Forschung in Heidelberg. Seit 2012 leitet er die Chica und Heinz Schaller-Forschungsgruppe „Neuropeptide“ am Deutschen Krebsforschungszentrum. 

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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