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Fünfzehn neue Risikogene für Brustkrebs entdeckt

Nr. 13c | 12.03.2015 | von Koh

Ein internationales Forscherteam hat im menschlichen Erbgut 15 bislang unbekannte Genvarianten identifiziert, die mit einem gesteigerten Brustkrebsrisiko verbunden sind. Die Wissenschaftler, darunter mehrere Arbeitsgruppen aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum, veröffentlichten Ihre Ergebnisse nun in der Zeitschrift „Nature Genetics“.

Brustkrebszellen unter dem Mikroskop
© Lutz Langbein, DKFZ

Die Wissenschaftler fahndeten bei insgesamt 120.000 Brustkrebspatientinnen und nicht erkrankten Frauen nach kleinsten Abweichungen im Erbgut. Sie suchten nach „Tippfehlern“, bei denen ein einzelner Erbgutbaustein gegen einen anderen ausgetauscht ist. In ihrer aktuellen, von Cancer Research UK* geförderten Untersuchung identifizierten die Forscher 15 neue dieser Variationen, die mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko im Zusammenhang stehen.

Insgesamt sind damit nun 90 dieser winzigen Erbgutvariationen (SNPs, single nucleotide polymorphisms) bekannt, die das Brustkrebsrisiko beeinflussen. Diese genetischen Marker erklären zusammengenommen etwa ein Siebtel (16 Prozent) des familiären Brustkrebsrisikos. Das übrige familiäre Risiko lässt sich wahrscheinlich auf eine sehr hohe Zahl an bislang unentdeckten SNPs zurückführen, die jeweils äußerst selten auftreten, so vermuten die Forscher.

Auf der Basis der inzwischen identifizierten genetischen Marker sollen nun Frauen mit einem besonders hohen Brustkrebsrisiko identifiziert werden, denen eine besonders engmaschige Vorsorge angeboten werden könnte.

„Mit diesen Ergebnissen haben wir einen weiteren Beitrag geleistet, das gehäufte Auftreten von Brustkrebs innerhalb betroffener Familien besser zu verstehen. Wenn wir das Risiko besser einschätzen können, dann können wir in Zukunft Früherkennungsmaßnahmen gezielter und effektiver einsetzen“, sagt Prof. Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum, der an der Untersuchung beteiligt war. „Die Ergebnisse tragen außerdem dazu bei, besser zu verstehen, wie Brustkrebs entsteht.“

Die Studie, an der weltweit Forscher aus über 170 Institutionen beteiligt waren, ist Teil einer Forschungskooperation, die das Zusammenspiel von Genen und Umwelt bei der Krebsentstehung untersucht. Jede einzelne Erbgutvariante, die die Forscher entdeckten, steigert für sich genommen das Brustkrebsrisiko nur minimal. Kommen jedoch bei einer Frau zahlreicher dieser ungünstigen Varianten zusammen, so addiert sich der Effekt und steigert  signifikant das Risiko. Schätzungsweise tragen etwa fünf Prozent aller Frauen so viele dieser Variationen, dass sich ihr Brustkrebsrisiko verdoppelt.

In Deutschland ist Brustkrebs mit zuletzt (2010) rund 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Etwa eine von acht Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Aufgrund verbesserter Früherkennungs- und Behandlungsmöglichkeiten versterben trotz gestiegener Erkrankungszahlen heute weniger Frauen an Brustkrebs als noch vor zehn Jahren.

*Cancer Research UK ist eine der weltweit größten Wohltätigkeitsorganisationen, die sich für Krebsforschung engagiert.

Kryiaki Michailidou et al.: Genome-wide association analysis of more than 120,000 individuals identifies 15 new susceptibility loci for breast cancer. Nature Genetics 2015, DOI: 10.1038/ng.3242 

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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