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Krebs-Überlebensraten 20 Jahre nach dem Mauerfall

Nr. 42 | 23.08.2012 | von Koh

Zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung haben sich die Überlebensraten bei Krebs in Ost- und Westdeutschland weitestgehend angeglichen. Dies stellte ein Team von Epidemiologen aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum und aus elf deutschen Krebsregistern in einer aktuellen Studie fest.

Bild lear_21, Wikimedia Commons
© dkfz.de

Daten aus den 1970er- und 1980er Jahre belegen, dass Menschen mit Krebs in Westdeutschland deutlich länger überlebten als Betroffene hinter dem Eisernen Vorhang. Betrachtet man den Diagnosezeitraum 1984 bis 1985, so überlebten in der ehemaligen DDR 28 Prozent der Darmkrebspatienten, 46 Prozent der Prostatakrebspatienten sowie 52 Prozent der Brustkrebspatientinnen die ersten fünf Jahre nach der Diagnose. Westbürger, die an diesen Krebsarten erkrankt waren, erreichten dagegen bereits zwischen 1979 bis 1983 5-Jahres-Überlebensraten von 44 Prozent, 68 Prozent und 68 Prozent.

Unter der Federführung von Dr. Lina Jansen und Prof. Hermann Brenner aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) untersuchten nun Wissenschaftler des DKFZ und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID) erstmals, wie sich die Überlebensraten in Deutschland im zweiten Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung entwickelt haben. Die neue Studie basiert auf über einer Million Krebsfälle aus den elf deutschen bevölkerungsbezogenen Landeskrebsregistern, die im Untersuchungszeitraum etwa 40 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung abdeckten.

Die Epidemiologen analysierten die Krebsüberlebensraten im Zeitraum 2002 bis 2006. Sie stellten fest, dass sich die 5-Jahres-Überlebensraten bei 20 von 25 untersuchten Krebsarten zwischen Ost und West um weniger als drei Prozent unterscheiden und damit als annähernd identisch betrachtet werden können.

Nur bei Krebs der Mundhöhle, der Speiseröhre und der Gallenblase sowie bei Melanomen erreichten Betroffene in den alten Bundesländern statistisch signifikant höhere 5-Jahres-Überlebensraten. Umgekehrt hatten Bürger der neuen Bundesländer einen kleinen Überlebensvorteil bei Leukämien.

„Die angeglichenen Krebs-Überlebensraten in den alten und neuen Bundesländern demonstrieren, dass das vereinheitlichte Gesundheitssystem vergleichbare Gesundheits-Chancen für Menschen in Ost und West geschaffen hat. Die dramatischen Überlebensunterschiede nach Krebs sind nahezu ausgeglichen, obwohl die ökonomischen Bedingungen nach wie vor unterschiedlich sind“, sagt Hermann Brenner. „Inzwischen ist es aber sinnvoller, den Einfluss sozioökonomischer Unterschiede auf das Krebsüberleben innerhalb einzelner Regionen zu prüfen, als in den überholten Kategorien Ost und West zu denken.“
Lina Jansen, Adam Gondos, Andrea Eberle, Katharina Emrich, Bernd Holleczek, Alexander Katalinic, Hermann Brenner und die GEKID Cancer Survival Working Group: Cancer survival in Eastern and Western Germany after the fall of the Iron Curtain. European Journal of Epidemiology 2012, DOI: 10.1007/s10654-012-9723-5

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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