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Prostatakrebs punktgenau diagnostizieren: Heidelberger Urologie etabliert als eine der ersten Kliniken weltweit neues Ultraschall-Verfahren

Nr. 45 | 06.08.2010 | von (ATS)

Als eine der ersten Kliniken weltweit hat die Urologische Universitätsklinik Heidelberg in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum seit kurzem ein neues Prostata-Biopsiesystem in Betrieb genommen. Das Verfahren dient der Erkennung von Prostatakrebs und kombiniert die Hochfeld-Magnet-Resonanz-Tomographie (Hochfeld-MRT) als bestes bildgebendes Verfahren für die Prostata mit einer neuen Ultraschall-Technik. So können die Heidelberger Urologen, Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Markus Hohenfellner, punktgenau und nachvollziehbar an bestimmten Orten Gewebeproben entnehmen.

Biopsee Gerät
© dkfz.de

Die Untersuchung wird im Deutschen Krebsforschungszentrum durch die Zusammenarbeit mit Professor Dr. Heinz-Peter Schlemmer vorbereitet. Neben einer verbesserten Genauigkeit hat die neue Biopsiemethode noch einen weiteren Vorteil für die Patienten. Da der Urologe die Gewebeprobe nicht wie sonst üblich durch den Enddarm, sondern durch die Haut des Damms gewinnt, werden Risiken wie Nachblutungen oder anschließendes Fieber verringert. Das Universitätsklinikum Heidelberg und das Deutsche Krebsforschungszentrum sind Träger des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und arbeiten zusammen daran, die umfassende Versorgung von Krebspatienten zu verbessern.

Über 60.000 neu aufgetretene Prostatakarzinome werden in Deutschland pro Jahr diagnostiziert. Die Erkrankung ist tückisch. Symptome bemerken die Männer oft erst dann, wenn der Krebs bereits weit fortgeschritten und unter Umständen nicht mehr heilbar ist. Deshalb sind Vorsorgeuntersuchungen besonders wichtig, um den Krebs frühzeitig zu erkennen. Tastbefund, Blutwerte (PSA) oder Ultraschall geben erste Hinweise auf einen Tumor. Gewissheit erlangen die Patienten und Ärzte erst durch eine Gewebeprobe (Biopsie).

Mit der neuen Biopsie-Methode diagnostizieren die Ärzte nicht nur, ob Tumorgewebe tatsächlich vorhanden ist. Ebenfalls erlangen sie auch Wissen darüber, wo der Tumor sich genau befindet, wie groß und aggressiv er ist. Entsprechend kann diese aussagekräftige Biopsie Grundlage für die individuelle Entscheidung sein, ob überhaupt eine Therapie erfolgen muss und wenn ja, welche. Für Patienten, bei denen eine Behandlung notwendig ist, stehen heute sehr unterschiedliche Konzepte wie HIFU, moderne externe Bestrahlung, Brachytherapie, Schwerionentherapie und minimal-invasive Computer-unterstützte Operationstechniken zur Verfügung.

Mit Hilfe der neuen Biopsie-Methode können die Ärzte den Patienten nun gezielter Therapien vorschlagen und ihnen belastende Behandlungen ersparen. Dabei haben sie im Blickfeld: so viel Tumortherapie wie nötig und so wenig Belastung für den Patienten wie möglich.

Das Endprodukt des neuen Biopsie-Systems (BiopSee®) ist ein dreidimensionales Bild der Prostata, auf dem die Ärzte genau erkennen können, wo Gewebeproben entnommen wurden und in welchen Regionen sich tumorverdächtiges Gewebe befindet. Das ist deshalb wichtig, weil Krebszellen in der Prostata an verschiedenen Stellen auftreten und unterschiedlich aggressiv sein können. So kann jeder eventuelle Krebsbefund exakt lokalisiert und dem entsprechenden Bösartigkeitsgrad zugeordnet werden.

Zunächst liefern die Radiologen am Deutschen Krebsforschungszentrum mit ihrem besonders leistungsfähigen MRT-Gerät detaillierte Bilder der Prostata, auf denen tumorverdächtige Areale markiert werden. „Die Hochfeld-MRT ermöglicht es uns, neben morphologischen Auffälligkeiten auch die Durchblutung, den Stoffwechsel und die Zelldichte in der Prostata zu untersuchen, und ist damit das derzeit empfindlichste Verfahren zur Entdeckung tumorverdächtiger Areale in der Prostata“, erklärt Professor Dr. Heinz-Peter Schlemmer, der Leiter der Abteilung Radiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum, die Methode. Während der Biopsie legen die Urologen diese Bilder dann mit den aktuell gewonnenen Bildern eines hochauflösenden Ultraschallgerätes übereinander, so dass die Daten des MRTs direkt auf dem Bildschirm des Ultraschallgerätes erscheinen. Dadurch können die Ärzte die Gewebeproben punktgenau dort entnehmen, wo vorher verdächtige Areale gefunden wurden.

„Die exakte Diagnose ist eine wichtige Voraussetzung zur umfassenden Beratung unserer Patienten und insbesondere für fokale Therapiekonzepte, bei denen unter bestimmten Bedingungen nicht die ganze Prostata, sondern nur der Tumor in der Prostata behandelt werden kann“, erläutert Dr. Boris Hadaschik, Oberarzt an der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg. Bei vielen Patienten kann es sogar ausreichen, den Tumor mit sorgfältigen Kontrollen im Sinne einer sogenannten "Active Surveillance" zu beobachten.

Ein Bild zur Pressemitteilung steht im Internet zur Verfügung unter:
http://www.nct-heidelberg.de/de/nct/news/2010/images/Biopsee_Geraet.jpg

Weitere Informationen:

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Urologische-Klinik.105047.0.html
http://www.medcom-online.de/applications/biopsee/biopsee.htm

Kontakt:

MRT-navigierte stereotaktische Prostatastanzbiopsie Uni-Klinik Heidelberg
Terminvereinbarung: Frau Czech (06221–56-37520)

Ärztliche Auskunft:
Dr. med. Boris A. Hadaschik
Urologische Universitätsklinik Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 110
69120 Heidelberg
Email: Boris.Hadaschik@med.uni-heidelberg.de


Ansprechpartner für die Presse:

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Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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