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Kreative Forschung jenseits der Pensionsgrenze: Günther Schütz wird 70

Nr. 20 | 29.04.2010 | von (Koh)

Professor Dr. Günther Schütz, weltweit anerkannter Molekularbiologe, feiert am 1. Mai 2010 seinen 70. Geburtstag. Seit 1980 erforscht Schütz im Deutschen Krebsforschungszentrum, wie biologische Signalmoleküle die Aktivität von Genen steuern. Seine Arbeiten brachten darüber hinaus wichtige Erkenntnisse darüber, wie sich das Nervensystem entwickelt, wie Lernen und Erinnern funktionieren oder wie Drogenabhängigkeit entsteht.

Professor Dr. Günther Schütz
© dkfz.de

Wie steuern Signalmoleküle, z.B. Steroidhormone, die Aktivität von Genen? Diese Frage stand immer im Zentrum von Günther Schütz’ entwicklungsbiologischer Forschung. Steroidhormone, zu denen Glucokortikoide wie das Cortisol oder Sexualhormone wie das Östrogen zählen, binden im Zellinneren an so genannte Kernrezeptoren. Über diese Bindung regulieren sie Wachstum und Differenzierung von Zellen und Geweben.

Um die Aufgaben und die Funktionsweise der Kernrezeptoren zu charakterisieren, schalteten Schütz und seine Mitarbeiter in Mäusen die Gene dieser Rezeptoren aus. Anschließend analysierten die Forscher an den Tieren, wie sich der Verlust auswirkt. Da aber Mäuse oft nicht lebensfähig sind, wenn diese wichtigen Rezeptoren vollständig fehlen, entwickelte Schütz ausgeklügelte molekularbiologische Methoden, um die Rezeptor-Gene ganz gezielt nur in bestimmten Zelltypen oder unter bestimmten Bedingungen abzuschalten.

So konnte Schütz unter anderem aufklären, wie Kernrezeptoren die Embryonal- und Nervenentwicklung steuern oder wie Geschlechtshormone die Gehirnfunktion beeinflussen. Er erforschte die molekularen Grundlagen des Lernens und Erinnerns, der Drogenabhängigkeit oder – in seinen jüngsten Arbeiten – Schlüsselmoleküle, die für die Entstehung von Hirntumoren verantwortlich sind. „Unsere Forschung ist nach wie vor extrem spannend“, erklärt Schütz, „weil wir immer wieder auf neue, unerwartete Ergebnisse stoßen.“

Günther Schütz, 1940 im hessischen Bad Schwalbach geboren, studierte in Frankfurt, Bern und Gießen Medizin und promovierte am Institut für Physiologische Chemie der Universität Marburg. Im Jahr 1969 nutzte er die Chance, mit Stipendien der DFG und der Fulbright Commission an die Columbia University in New York zu gehen. Von 1975 bis 1980 leitete er eine Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin. 1980 erhielt Günther Schütz den Ruf ans Deutsche Krebsforschungszentrum als Leiter der Abteilung „Molekularbiologie der Zelle I“. Schütz ist außerdem Professor für Molekularbiologie an der Universität Heidelberg.

Günter Schütz’ über 360 Publikationen, darunter zahlreiche Arbeiten in renommierten Zeitschriften wie Cell, Nature, Neuron oder Genes & Development, genießen in Fachkreisen höchstes Ansehen. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen gehören der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis, die Europäische Medaille der „Society of Endocrinology“ und der Max-Planck-Forschungspreis für Internationale Kooperation. Er ist Mitglied in zahlreichen Akademien und wissenschaftlichen Vereinigungen, etwa in der „Academia Europaea“, in der American Association for Cancer Research (AACR) oder in der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.

Seit 2008 leitet Günther Schütz als „Helmholtz-Professor“ auch über das Erreichen des Pensionsalters hinaus eine Arbeitsgruppe für Molekularbiologie der Zelle am Deutschen Krebsforschungszentrum. Otmar D. Wiestler, Vorstandvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums, gratuliert Günther Schütz und sagt: „Die deutsche Forschung kann und darf es sich nicht leisten, auf kreative Köpfe wie Günther Schütz zu verzichten, die voller Schaffenskraft an zentralen wissenschaftlichen Fragestellungen weiter forschen wollen. Hätten wir ihm dieses Angebot nicht gemacht, wäre er in die USA abgeworben worden.“

Ein Bild von Günter Schütz steht im Internet zur Verfügung unter:
http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2010/images/guenther_schuetz.jpg

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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