Neuroonkologische Bildgebung

Dr. Alexander Radbruch

Rechts temporal gelegenes Gliobalstom bei 7-Tesla. Auf der T1-gewichteten Aufnahme (A) stellt sich das typische girlandenförmige Kontrastmittelenhancement dar. Die Time-of-Flight Angiographie (B) und die Suszeptibilitätsgewichtete Aufnahme (C) visualisieren demgegenüber die Vaskularisierung des Tumors und ermöglichen so die direkte Untersuchung des Gefäßwachstums bei unterschiedlichen Therapien.
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Die Arbeitsgemeinschaft Neuroonkologische Bildgebung (E012) basiert auf einem Zusammenschluss der Abteilung Radiologie E010 des DKFZ und der Abteilung für Neuroradiologie der Universitätsklinik Heidelberg. Hauptarbeitsgebiet ist die Anwendung neuer MRT-Sequenzen am PET-MR, bei 3 und 7 Tesla sowie die Anwendung neuer postprocessing-Methoden bei Patienten mit neuroonkologischen Erkrankungen. Die Arbeitsgruppe hat einen starken translationalen Charakter und versteht sich als Bindeglied zwischen der MR-Grundlagenforschung, der Informatik und der klinischen Anwendung.
Ziel unserer Forschung ist es, das Tumorwachstum sowie das Ansprechen auf unterschiedliche Therapien besser charakterisieren zu können um auf dieser Grundlage Response-Kriterien für die klinische Anwendung zu etablieren.
Dies ist nicht nur für die individuelle Therapieentscheidung von entscheidender Bedeutung sondern letztlich auch für die korrekte Beurteilung des Therapieansprechens in klinischen Studien, welche zu einem Großteil auf der Erhebung von Imaging-Parametern beruhen.

Unsere Arbeitsgruppe verwendet zur Tumorcharakterisierung das komplette Spektrum der MR-Technologie wie beispielsweise die Diffusions-, Perfusions-, Suszeptibilitätsgewichtete MR-Bildgebung, Spektroskopie und CEST (Chemical Exchange Saturation Transfer) Bildgebung. Dieser multimodale Ansatz wird mit neuen Postprocessing Methoden kombiniert und konsequent auf Fragestellungen des klinischen Alltags angewendet.

Ein bislang ungelöstes Problem in der Bildgebung höhergradiger Gliome, das in unserer Gruppe unter anderm intensiv untersucht wird, stellt die verlässliche Bestimmung des sogenannten T2-progresses bei höhergradigen Gliomen dar. Der T2-progress stellt einen invasiven Progress dar, welcher als Signalsteigerung auf T2-gewichteten Aufnahmen sichtbar ist, dabei aber nicht notwendigerweise mit einer begleitenden Bluthirnschrankenstörung einhergeht und folglich häufig auf T1-gewichteten, kontrastverstärkten Aufnahmen nicht visualisiert werden kann. Eine T2-Signalsteigerung kann jedoch auch durch andere Ursachen wie entzündliche Veränderungen oder unspezifische postradiogene Veränderungen hervorgerufen werden. Eine sichere Unterscheidung des T2-Progresses von anderen möglichen Ursachen einer T2-Signalsteigerung ist mit den derzeit in der klinischen Routine zur Verfügung stehenden Bildgebungsmodalitäten jedoch nicht möglich. Daher kann bei singulärer T2-Signalsteigerung das klinische Dilemma der Abwägung zwischen der Gefahr einer verspäteten Therapieumstellung bei verkanntem T2-progress und der Gefahr einer verfrühten Therapieumstellung bei fälschlich angenommenem T2-Progress nicht gelöst werden. Imaging-Methoden, die eine verlässliche Diagnose ermöglichen, sind hier dringend von Nöten.

Kontakt

Dr. med. Assessor juris Alexander Radbruch
Neuroonkologische Bildgebung (E012)

Universitätsklinik Heidelberg
Abteilung Neuroradiologie
Im Neuenheimer Feld 400
69120 Heidelberg

Tel.: +49 6221 56 7566
E-Mail: a.radbruch@dkfz.de

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Ausgewählte Publikationen

  • Radbruch, A., Lutz, K., Wiestler, B., Bäumer, P., Heiland, S., Wick, W., Bendszus, M. (2012). Relevance of T2 signal changes in the assessment of progression of glioblastoma according to the Response Assessment in Neurooncology criteria. Neuro-oncology 14, 222-229
  • Radbruch, A., Graf,  M., Floca,  R., Kramp, L., Wiestler, B., Bäumer, P., Stieltjes, B.,  Heiland, S., Schlemmer, H.P., Bendszus, M. (2012). Differentiation of Brain Metastases by Percentagewise Quantification of Intratumoral-Susceptibility-Signals at 3 Tesla. Eur J Radiol., 81, 4064-4068
  • Radbruch, A., Wiestler, B., Kramp, L., Lutz, K., Bäumer, P., Weiler, M., Roethke, M., Sahm, F., Schlemmer, H.P., Wick, W., Heiland, H., Bendszus, M.(2013). Differentiation of Glioblastoma and Primary CNS Lymphomas Using Susceptibility Weighted Imaging,  Eur J Radiol. 82, 552-556
  • Deistung, A., Schweser, F., Wiestler, B., Abello, M., Roethke, M., sahm, F., Wick, W., Nagel, A.M., Heiland, S., Schlemmer, H.P., Bendszus, M., Reichenbach, J.R., Radbruch, A. (2013). Quantitative Susceptibility Mapping Differentiates between Blood Depositions and Calcifications in Patients with Glioblastoma. PLoS One.,8(3): e57924.

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