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Von der Nationalen Dekade gegen Krebs zu Vision Zero in der Onkologie

Nr. 30c | 25.06.2019

Was müssen wir tun, um die Zahl der Krebstodesfälle in Deutschland drastisch zu senken? Diese Fragestellung diskutieren Experten aus Gesundheit und Forschung beim 5. interdisziplinären Symposium Innovations in Oncology in Berlin. In diesem Jahr steht die eintägige Veranstaltung unter dem Motto „Vision-Zero" in der Onkologie.

Rund eine halbe Million Menschen erkranken allein in Deutschland jährlich neu an Krebs. In den nächsten zehn Jahren wird die Zahl auf rund 600.000 Menschen ansteigen. Das stellt Gesundheitswesen und Gesellschaft vor enorme Herausforderungen.

„Mit vereinten Kräften aus Wissenschaft, Gesundheitswesen, Politik und Gesellschaft die Krebsforschung stärken und die Fortschritte rasch in der Breite anwenden, das ist meine konkrete „Vision Zero". Es sollen weniger Menschen erkranken, der Krebs soll früher erkannt und besser behandelt werden. Dafür kommen in der Nationalen Dekade gegen Krebs alle Akteure zusammen und bündeln die nationalen Aktivitäten", so Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums und Co-Vorsitzender des Strategiekreises der Nationalen Dekade gegen Krebs, anlässlich des Pressegesprächs zur Eröffnung des Symposiums. Der Strategiekreis der Dekade berät das Bundesministerium für Bildung und Forschung dabei, die Inhalte und Fragestellungen für die kommenden zehn Jahre zu definieren.

Bedeutende Ursachen für die Zunahme an Krebserkrankungen sind unsere älter werdende Gesellschaft und eine ungesunde Lebensweise. Gleichzeitig leben immer mehr Menschen immer länger mit ihrer Krebserkrankung. 40 Prozent aller Krebsfälle ließen sich durch Primärprävention, wie Lebensstiländerung und Impfungen, vermeiden. Weitere Krebserkrankungen können darüber hinaus durch die Teilnahme an Programmen zur Krebsfrüherkennung verhindert oder der Krebs in einem frühen, besser heilbaren Stadium entdeckt werden. Mit der Entwicklung von wirksamen Methoden der risikoangepassten Krebsfrüherkennung für Menschen mit einem erhöhten Krebsrisiko könnte nach Ansicht von Forschern auch die Prävention zunehmend personalisiert werden.

„Wir vertrauen immer noch zu sehr auf die Reparaturmedizin. Wenn wir den Krebs wirklich wirksam bekämpfen wollen, müssen wir viel mehr in die Präventionsforschung investieren. Dazu fehlt im deutschen Gesundheitswesen gegenwärtig aber der Wille", kritisiert Christa Maar, Geschäftsführende Vorständin der Felix Burda Stiftung, Themenpatin für die Arbeitsgruppe Prävention der Nationalen Dekade gegen Krebs.
Das Motto des Symposiums „Vision-Zero" beschreibt daher einen Paradigmenwechsel in der Onkologie ähnlich dem Umdenken im Straßenverkehr in den 70er Jahren. Ein umfangreiches Handlungskonzept mit aktiven und passiven Sicherheitsmaßnahmen zu jeder erdenklichen Einflussgröße wurde für den Straßenverkehr von den meisten europäischen Ländern erarbeitet und konsequent umgesetzt. Der Erfolg dieser Vision-Zero ist beeindruckend: Die Todesfallrate konnte seither in Europa um bis zu 90 Prozent gesenkt werden, obgleich der Verkehr von Jahr zu Jahr stark zugenommen hat.

„Zeit ist ebenfalls reif für eine Vision-Zero in der Onkologie, denn auch hier ließe sich eine drastische Senkung der Todesfälle erreichen. Wir benötigen wie im Straßenverkehr einen konsequenten Paradigmenwechsel: Jeder Krebstodesfall sollte inakzeptabel sein, denn Krebs ist nicht die Schuld der Betroffenen. Statt über suboptimale Strukturen zu lamentieren, eigene Interessen über die von Patienten zu stellen und deutlich zu geringe Budgets in Prävention und Forschung mit angeblich hohen Kostenbelastungen zu entschuldigen, brauchen wir einen gesellschaftlichen Konsens, der es uns erlaubt, an jeder Stellschraube zu drehen und einen Masterplan zur Krebsvermeidung und -bekämpfung zu erarbeiten", fordert Christof von Kalle, Gründungsdirektor des BIH Charité Studienzentrums und Wissenschaftliche Kongressleitung Innovations in Oncology.

 

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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