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Alt ist nicht gleich alt

Therapieplanung bei älteren Krebspatienten

Nr. 56 | 29.10.2018 | von jg

Rund 60 Prozent aller Krebspatienten sind 65 Jahre und älter. Viele, aber nicht alle von ihnen, haben körperliche und kognitive Einschränkungen, die bei der Behandlung der Krebserkrankung berücksichtigt werden müssen. Onkologische Fachgesellschaften und Leitlinien empfehlen ein standardisiertes Bewertungsverfahren, um den individuellen Gesundheitszustand in die Therapieplanung einfließen zu lassen.

© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Altern ist ein vielschichtiger Prozess, der keinem festen Schema folgt. Trotz gleicher Anzahl an Lebensjahren kann der Allgemeinzustand älterer Menschen sehr unterschiedlich sein. Oft haben Seniorinnen und Senioren gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herzerkrankungen, die die Einnahme zahlreicher Medikamente notwendig machen. Das gilt auch für ältere Krebspatienten. Ihre onkologische Behandlung stellt daher für die Ärzte eine große Herausforderung dar: Einerseits besteht die Gefahr, ihnen nur aufgrund ihres Alters wirksame Therapien vorzuenthalten. Andererseits ist abzuwägen, was für den Einzelnen einen höheren Stellenwert hat: Der Erhalt von Lebensqualität, Mobilität und Selbstständigkeit oder eine Lebensverlängerung um jeden Preis durch eine Krebsbehandlung, die möglicherweise mit zahlreichen Nebenwirkungen und Beeinträchtigungen einhergeht.

Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums, kennt das Problem: „Rund ein Drittel der Krebspatienten, die sich an uns wenden, sind zwischen 70 und 85 Jahre oder älter. Therapie ja oder nein? Und wenn ja, welche ist geeignet, angesichts des fortgeschrittenen Alters und der schwierigen Gesundheitssituation? Diese Fragen stellen sich viele Patientinnen und Patienten, aber auch ihre Angehörigen. Eine Entscheidung fällt leichter, wenn Nutzen und Risiken der verschiedenen Behandlungsoptionen klar benannt werden können." Der Krebsinformationsdienst beantwortet seit über 30 Jahren alle Fragen zum Thema Krebs kostenlos von montags bis freitags von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr unter 0800-420 30 40 sowie per E-Mail unter krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Therapieplan nach qualitativer Einschätzung
Um herauszufinden, was den Krebspatientinnen und -patienten im Rahmen einer Krebstherapie zugemutet werden kann, empfehlen onkologische Fachgesellschaften und Leitlinien, ähnlich wie in der Hausarztpraxis und Altersmedizin, ein systematisches stufenweises Bewertungsverfahren. Fachleute sprechen von einem geriatrischen Assessment. Damit lassen sich vorhandene Fähigkeiten, aber auch mögliche Defizite beschreiben und vergleichen.

Wegen des relativ hohen zeitlichen Aufwands kommt im onkologischen Praxisalltag allerdings häufiger ein verkürztes Verfahren in Form eines Fragebogens zum Einsatz: Die Patienten treffen Aussagen zur Ernährung, zu Mobilität, eventuellem Gewichtsverlust, Body Mass Index und psychologischen Problemen, ebenso wie zur Einnahme von Medikamenten und der eigenen Einschätzung ihres Zustandes im Vergleich zu Gleichaltrigen. Auf Basis der Angaben legt der Arzt zusammen mit dem Krebspatienten einen Therapieplan fest. Dabei wird der therapeutische Nutzen den möglichen Risiken gegenüber gestellt, auch die Wünsche des Patienten werden berücksichtigt. Ergänzend zur krebsspezifischen Therapie können außerdem Maßnahmen, wie Ernährungsberatung, Physiotherapie oder soziale Unterstützung vereinbart werden. Betroffene wie auch Angehörige können sich jederzeit beim behandelnden Arzt nach der Möglichkeit eines Bewertungsverfahrens erkundigen und seine Durchführung wie auch die Ergebnisse gemeinsam besprechen.

Gute Ergebnisse
Studien haben gezeigt: Die Verwendung eines Bewertungsverfahrens führt bei vielen älteren Krebspatientinnen und -patienten zu einer veränderten Therapieempfehlung. So kann die Therapieintensität angepasst und damit Über- und Untertherapien vermieden werden. Das Verfahren hilft außerdem, die Prognose für das Überleben und für das Auftreten schädigender Wirkungen der Therapie besser abschätzen zu können.

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Der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums beantwortet alle Fragen rund um das Thema Krebs – am Telefon (0800-420 30 40), per E-Mail (krebsinformationsdienst@dkfz.de) sowie in persönlichen Sprechstunden in Heidelberg und Dresden. Das geschulte Ärzteteam geht mit fundierten fachlichen Informationen auf individuelle Fragen ein. Die Internetseite www.krebsinformationsdienst.de liefert aktuelles Wissen, nützliche Tipps und Adressen. Mit eigener Telefonnummer (0800-430 40 50) und E-Mail-Adresse (kid.med@dkfz.de) ist der KID auch Anlaufstelle für medizinische Fachkreise. Der Krebsinformationsdienst ist ein kostenfreies Angebot des Deutschen Krebsforschungszentrums. Er kann daher unabhängig informieren, frei von Interessenkonflikten und ohne Werbung.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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