Kommunikation und Marketing

Pioniergeist: Erste DKFZ-Ausgründung feiert 35-jähriges Jubiläum

Nr. 54a | 23.10.2018 | von Koh

Im Jahr 1983 gründeten Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und von der Universität Heidelberg PROGEN GmbH als eines der ersten Biotechnologie-Start-ups in Deutschland. Das in Heidelberg ansässige Unternehmen vertreibt heute erfolgreich weltweit Reagenzien für die biomedizinische Forschung und Entwicklung – viele darunter beruhen auf Erfindungen aus dem DKFZ.

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Wissenschaftler als Unternehmer: 1983 war dies eine höchst ungewöhnliche Konstellation. „Unternehmertum galt damals geradezu als anrüchig", erinnert sich Werner Franke vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Der Zellbiologe Franke hatte sich mit Günter Hämmerling, ebenfalls DKFZ, sowie mit Ekkehard Bautz und Peter Gruss von der Universität Heidelberg zusammengetan, um mit der PROGEN Biotechnik GmbH das wahrscheinlich erste „Biotech-Start-up" Deutschlands zu gründen.

Die vier Wissenschaftler, alle erfolgreich im Bereich der molekularen Lebenswissenschaften aktiv, einte ein gemeinsames Anliegen: Sie hatten mit ihrer Forschung jede Menge Wissen und molekulare Werkzeuge generiert, die weltweit begehrt waren – sowohl in der Forschung als auch für die medizinische Diagnostik. So hatte Werner Frankes Abteilung zahlreiche Antikörper entwickelt, die lungen- oder darmkrebsspezifische Proteine im Blutserum nachweisen konnten und für die Tumordiagnostik unentbehrlich waren. Ekkehardt Bautz wiederum brachte den ersten Nachweis von Hantaviren, die schwere hämorrhagische Fieber auslösen können, in das neu gegründete Unternehmen ein.

„Nach den Regeln der Wissenschaft sind Sie verpflichtet, solche Reagenzien weltweit zur Verfügung zu stellen. Aufgrund der hohen Nachfrage war das damals in unseren Laboren aber logistisch so gut wie nicht zu leisten", erklärt Franke. „Durch den Vertrieb über ein Unternehmen waren die Reagenzien weltweit für Forschung und Diagnostik verfügbar."

Später erweiterte PROGEN sein Angebot, unter anderem durch weitere Produkte aus dem DKFZ. Dazu zählt etwa das von Jürgen Kleinschmidt entwickelte Adeno-assoziierte Virus AAV als idealer Vektor für die Gentherapie, das wie ein Taxi therapeutische Gene in menschliche Zellen transportiert. Verkaufte PROGEN in seinen Anfangsjahren in erster Linie einfache Antikörper, so hat sich das Unternehmen inzwischen auf komplette Testpakete spezialisiert, in denen alle für ein Experiment benötigten Reagenzien zusammengestellt sind. Seit 2012 ist PROGEN eine 100-prozentige Tochter der R-Biopharm AG und hat mittlerweile 22 Mitarbeiter.

„Viele der frühen Biotech-Start-ups haben nur wenige Jahre überlebt. Dass sich PROGEN als erste Unternehmensausgründung aus dem DKFZ so erfolgreich halten konnte, ist auch ein Beweis für die hohe Qualität und Relevanz der Produkte, die Franke und seine Mitstreiter damals auf den Markt gebracht haben", sagt Josef Puchta, der kaufmännische Vorstand des DKFZ. „Vor allem haben die vier Gründer echten Pioniergeist bewiesen, in einer Zeit, als eine kommerzielle Verwertung wissenschaftlicher Ergebnisse für viele Forscherkollegen schlicht undenkbar war."

Mit seinem Unternehmensmotto „passion for research" hält PROGEN auch heute noch den wissenschaftlich geprägten Gründergeist hoch.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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