Arbeitsgruppe Molekulargenetik des Mammakarzinoms

Prof. Dr. Ute Hamann

Die ersten beiden Hauptkomponenten reflektieren die genetische Heterogenität in der GENICA-Studienpopulation und 14 anderen Populationen aus dem 1000 Genomes Project (Int J Cancer 133, 362-372, 2013).
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Brustkrebs (Mammakarzinom) ist die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Frauen. Etwa jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Die meisten Mammakarzinome treten sporadisch auf und entstehen durch zufällige, nicht vererbbare Veränderungen in den Genen. Dagegen beruhen fünf bis zehn Prozent der Mammakarzinome auf einer genetischen Veranlagung, die vererbt werden kann. Die Anfälligkeit für Brustkrebs wird durch seltene Varianten in den Anfälligkeitsgenen, insbesondere BRCA1 und BRCA2, sowie von etwa 170 häufigen Varianten im gesamten Genom beeinflusst. Im Gegensatz zu den BRCA1/2-Varianten, die ein hohes Lebenszeitrisiko für Brustkrebs in sich bergen, sind die Risiken durch die anderen häufigen Varianten gering. Eine Kombination aus diesen Varianten führt jedoch zu einem hohen Risiko.

Das Ziel unserer Arbeit ist die Identifizierung von genetischen und nicht-genetischen Faktoren, die bei Brust- und Eierstockkrebs eine Rolle spielen, und das sowohl bei Frauen in der Allgemeinbevölkerung, als auch bei Frauen mit einer BRCA1- oder BRCA2-Mutation. Da sich die Häufigkeit der genetischen Varianten zwischen europäischen und nicht-europäischen Populationen unterscheidet, untersuchen wir außerdem in einer asiatischen Population aus Pakistan und einer lateinamerikanischen Population aus Kolumbien, welche Rolle sie spielen. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Forschung besteht in der Suche nach neuen Biomarkern für die Prognose von Brustkrebs und die Vorhersage des Ansprechens auf eine endokrine Therapie. Darüber hinaus wollen wir bei Brustkrebspatientinnen Veränderungen der DNA-Methylierung im peripheren Blut identifizieren. Dazu führen wir derzeit zwei große, genomweite Studien durch. Eine der Studien hat zum Ziel, epigenetische Variationen zu identifizieren, die sowohl als prognostische Faktoren fungieren, als auch zur Vorhersage von familiärem BRCA1-assoziierten, nicht-BRCA1/2-assoziierten und sporadischem Brustkrebs dienen. Die andere Studie zielt darauf ab, den Nutzen von DNA-Methylierungsvariationen als Biomarker für eine nicht-invasive Vorhersage eines aggressiven Brustkrebstyps (triple-negativer Brustkrebs) und die Prognose zu bestimmen. Auch die kombinierten Effekte von genetischen und epigenetischen Risikofaktoren werden von uns analysiert. Ein weiteres Forschungsziel ist die Identifizierung neuer Anfälligkeitsgene für Brustkrebs bei familiären BRCA1/2-negativen pakistanischen und kolumbianischen Brustkrebspatientinnen mittels Next Generation Sequencing (NGS). Unsere Studien werden weitere Einblicke in die Mechanismen der Brustkrebsentstehung liefern. Neue genetische und epigenetische Veränderungen helfen bei der Diagnose und verbessern die gezielte Früherkennung und Prävention von Brustkrebs.

Kontakt

Prof. Dr. Ute Hamann
Molekulargenetik des Mammakarzinoms (B072)
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
Tel: +49 6221 42 2344

Ausgewählte Publikationen

  • Torres D, …., Hamann U (2017). Prevalence and penetrance of BRCA1 and BRCA2 germline mutations in Colombian breast cancer patients. Sci. Rep. 7:4713.
  • Kabisch M, …., Hamann U (2015). Inherited variants in the inner centromere protein (INCENP) gene of the chromosomal passenger complex contribute to the susceptibility of ER negative breast cancer. Carcinogenesis 6:256-271.
  • Bermejo JL, …., Hamann U (2013). Exploring the association between genetic variation in the SUMO isopeptidase gene USPL1 and breast cancer through integration of data from the population-based GENICA study and external genetic databases. Int. J. Cancer 133:362-372.
  • Torres D, …., Hamann U (2007). High proportion of BRCA1/2 founder mutations in Hispanic breast/ovarian cancer families from Colombia. Breast Cancer Res. Treat. 103(2):225-232.
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