Familien-Studien zur Ätiologie des erblichen Brustkrebses

Bis heute sind nur wenige Gene bekannt, deren Veränderungen ein hohes Risiko übertragen, an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Zu den wichtigsten „Anfälligkeitsgenen“ in der westlichen Hemisphäre gehören BRCA1 und BRCA2. Die Art und Häufigkeit von Mutationen in diesen Genen unterscheiden sich stark zwischen ethnischen Gruppen und Bevölkerungen. Die bei einer Population erhaltenen Ergebnisse sind folglich nicht auf andere übertragbar. Dieses Wissen ist von Bedeutung für die genetische Beratung von Frauen mit einem hohen Brust-/Eierstockkrebsrisiko sowie für die Entwicklung von genetischen Tests.

Wir führen Studien in Deutschland, Pakistan und Kolumbien durch, um den Beitrag dieser Gene an der Entstehung des erblichen Brust- und Eierstockkrebses zu bestimmen und die Bedeutung der einzelnen Mutationen zu klären. Pakistan hat die höchste Neuerkrankungsrate von Brust- und Eierstockkrebs in Asien und nur wenig ist bisher über die genetischen Ursachen dieser Erkrankungen in dieser Bevölkerung bekannt. In Kolumbien ist Brustkrebs der zweithäufigste bösartige Tumor bei Frauen und Angaben über den Beitrag dieser Gene an der Entstehung des erblichen Brust-/Eierstockkrebses fehlten bisher komplett.

Die umfassende Mutationsanalyse der BRCA1/2-Gene hat gezeigt, dass Mutationen in 24% der pakistanischen Brustkrebsfamilien und in 50% der Familien mit Brust- und Eierstockkrebsfällen auftreten. Die korrespondierenden Häufigkeiten in kolumbianischen Familien betrugen 25% und 33%. Häufige Mutationen waren in beiden Populationen zu finden, und jede dieser Mutationen konnte auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgeführt werden. Diese Information fliesst in beiden Ländern in das effiziente Screening von Frauen mit einem hohen Brust-/Eierstockkrebsrisiko ein (Rashid et al., 2006; Torres et al., 2007).

Stammbaum

Stammbaum
© dkfz.de

Die Abbildung (Lupe klicken für vergrößerte Ansicht) zeigt den Stammbaum einer Mammakarzinomfamilie mit einer BRCA1-Mutation. Offene Kreise: gesunde Frauen; offene Quadrate: gesunde Männer; oberer gefüllter linker Quadrant: an einem Mammakarzinom erkrankte Frauen; unterer gefüllter rechter Quadrant: an einem anderen Karzinom erkrankte Personen. Die Identifizierungsnummern der einzelnen Personen stehen direkt unter den Symbolen. BC: Alter bei der Diagnose des Mammakarzinoms; A: Alter bei Studieneintritt. I:1: Bei diesem erkrankten Familienmitglied wurde eine Krankheits-assoziierte BRCA1-Mutation identifiziert. Die Familienmitglieder II:2 und III:1 wurden prädiktiv getestet: II:2 hat die Mutation nicht geerbt; III:1 hat die Mutation geerbt und hat somit ein erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken.

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