Datenmaterial, Aufbereitungsmethoden und Gliederung der Kapitel

Mortalität und Inzidenz

Der Atlas beschreibt die Krebssterblichkeit in Deutschland hinsichtlich ihrer zeitlichen Entwicklung seit Beginn der 50er Jahre bis zum Jahr 1995 sowie ihre geographische Häufigkeitsverteilung im Zeitraum 1981-1990 für 24 Krebsarten sowie für Krebs insgesamt. Die Betrachtung der Mortalität an bösartigen Neubildungen ist von eigenständigem Interesse, weil in der hohen Letalität dieser Krankheiten ihre Schwere und damit auch ihre gesundheitspolitische Relevanz zum Ausdruck kommt.

Der bereits erwähnte, sich neuerdings abzeichnende Rückgang der Krebssterblichkeit auch bei Männern wirft jedoch ein Schlaglicht auf die Tatsache, daß die Sterblichkeit lediglich einen Teilaspekt des gesamten Krankheitsgeschehens darstellt, insofern als in ihr definitionsgemäß nur die tödlich verlaufenden Krankheitsfälle erfaßt sind. Krebsarten, die schon immer gut heilbar waren (z.B. Hautkrebs), können dadurch in einem Atlas der Krebssterblichkeit überhaupt nicht dargestellt werden. Bei anderen Krebsarten, die vielleicht ehedem tödlich verlaufen sind, für die jedoch Diagnostik und Therapie substantiell verbessert werden konnten, können die Daten einen Rückgang der Sterblichkeit erkennen lassen. Das bedeutet dann jedoch nicht, daß damit auch das Erkrankungsrisiko zurückgehen würde. Im extremen Fall kann sogar das Erkrankungsrisiko, d.h. empirisch die Inzidenz, weiter ansteigen und zugleich die Sterblichkeit abnehmen, so daß die Mortalitätsdaten in wachsendem Maße nur ein unvollständiges Bild der Gesamtstituation zu liefern vermögen.

Eine zurückgehende Mortalität kann schließlich auch dadurch zustande kommen, daß aufgrund eines Wegfallens oder der Beseitung von Risikofaktoren die Inzidenz selbst fällt und damit zwangsläufig auch die Sterblichkeit. Da es aus dem einfachen Augenschein, beispielsweise bei der erwähnten neuerdings sinkenden Krebssterblichkeit bei Männern, nicht ohne weiteres hervorgeht, ob sie auf einer sinkenden Inzidenz oder einer verbesserten Diagnostik bzw. Therapie bei möglicherweise sogar weiter steigender Inzidenz beruht, wächst die Dringlichkeit einer flächendeckenden und vollständigen Erfassung der Krebsneuerkrankungen im Hinblick auf eine umfassende Beschreibung der Krebslandschaft.

Der östliche Teil Deutschlands verfügte seit 1961 über eine flächendeckende Krebsregistrierung. Sie erlaubt es, zeitliche Entwicklungen sowie geographische Häufigkeitsunterschiede auch auf der Grundlage von Neuerkrankungsdaten darzustellen (siehe Möhner et al. 1994) und damit das Bild der Krebslandschaft zu vervollständigen. Im Westen wurden in der Vergangenheit nur in zwei Regionen (Hamburg und Saarland) mit einem Bevölkerungsanteil von lediglich knapp 5% der westdeutschen Gesamtbevölkerung Register geführt. Auf dieser Basis waren bisher zuverlässige Aussagen über die Zahl der Neuerkrankungen in Westdeutschland nicht möglich. Zu Beginn des Jahres 1995 trat allerdings eine gesetzliche Regelung in Kraft, mit der eine flächendeckende, vollständige Krebsregistrierung für ganz Deutschland angestrebt wird.

Da aufgrund restriktiver Datenschutzbestimmungen der Erfassungsgrad des Hamburgischen Registers in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist, stützen sich die in den einzelnen Kapiteln dieses Werkes zitierten Vergleichszahlen zur Inzidenz ausschließlich auf die Register im Saarland und in der ehemaligen DDR. Mittlerweile liegen auf der Basis dieser Datenbestände auch Hochrechnungen auf die Größenordnung der Inzidenz für die gesamte deutsche Bevölkerung vor, auf die ebenfalls in den Texten zurückgegriffen wird. Einzelheiten zu diesen Datenquellen werden unten ausgeführt.

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