Bevölkerung


Das kontinuierliche Wachstum der Bevölkerung in den westlichen Bundesländern war nach dem 2. Weltkrieg neben einem anfänglichen Geburtenüberschuß v.a. auf Zuzug von außen zurückzuführen. 9,7 Mio. Heimatvertriebene und Flüchtlinge kamen aus ehemaligen deutschen Ostgebieten und den angrenzenden Staaten Ost- und Südosteuropas. Bis 1961 war die Zuwanderung aus der DDR maßgeblich am Wachstum beteiligt. Seit den 60er Jahren spielte die konjunkturbedingte Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte die größte Rolle. Die deutsche Bevölkerung verzeichnete dagegen seit 1972 einen Überschuß der Sterbefälle. Eine Bevölkerungsabnahme nach 1973 ist auch durch Abwanderung ausländischer Arbeitnehmer und ihrer Familien bedingt. 1989 lebten 4,85 Mio. Ausländer in den westlichen Bundesländern (darunter 1,6 Mio. aus der Türkei, 610 000 aus Jugoslawien und 520 000 aus Italien). Inzwischen steigt die Bevölkerungszahl durch Zuzug von Aus- und Übersiedlern wieder; 1989-1992 siedelten rund 1 Mio. Menschen aus den neuen in die alten Bundesländer über.

Die Geburtenrate war in den 70er Jahren eine der niedrigsten aller europäischen Länder (z.B. 1978 mit 0,94%; für den ausländischen Bevölkerungsteil errechnete sich die Geburtenziffer von 1,87%, für den deutschen nur von 0.87%). 1980 stieg die Geburtenrate erstmals seit 1972 wieder über 1%.

Die Bevölkerungsverteilung ist recht unterschiedlich, v.a. bedingt durch das seit rund 100 Jahren anhaltende Wachstum der wirtschaftlichen und städtischen Ballungsgebiete. Der älteste Ballungsraum ist das Ruhrgebiet; weitere Räume der Bevölkerungskonzentration sind das Rhein-Neckar-Gebiet, das Rhein-Main-Gebiet, das Saarland, Berlin, Hamburg, Hannover, München und Nürnberg/Fürth. Unter den Städten haben nach dem 2. Weltkrieg v.a. die Großstädte ein überdurchschnittliches Wachstum erfahren; erst in der jüngeren Gegenwart sind hier fast ausnahmslos Bevölkerungsverluste zu verzeichnen, in erster Linie verursacht durch Abwanderung in die Stadtrandgebiete.

Die Bevölkerung auf dem Gebiet der ehemaligen DDR nahm nach Kriegsende infolge des Flüchtlingszustroms und der Umsiedlung aus dem Osten zunächst zu, dann aber bis in die 2. Hälfte der 70er Jahre ständig ab. Dazu trugen die starke Abwanderung von Arbeitskräften in die Bundesrepublik Deutschland bis 1961 sowie ein hoher Frauenüberschuß als Folge des Krieges bei. Nach der Wende von 1989 verließen erneut extrem viele Menschen v.a. im arbeitsfähigen Alter die ostdeutschen Landesteile; insgesamt wanderten 1961-1990 2 Mio. Menschen ab. Die regionale Verteilung der Bevölkerung ist ungleichmäßig: Etwa nördlich der Linie Magdeburg-Dessau-Görlitz wird das Land vorwiegend agrarisch genutzt, die Bevölkerungsdichte liegt in den meisten Kreisen unter 100 Einwohner/km². Im stark industrialisierten Süden ragen 3 Ballungsräume heraus: Halle-Leipzig, Chemnitz-Zwickau und der Raum Dresden. Hier leben bis 500 Einwohner/km². In der Lausitz wohnen die Sorben (rund 60 000) als ethnische Minderheit mit eigener Sprache und Kultur. Der Ausländeranteil ist im Osten viel geringer als in den anderen Landesteilen; er lag 1992 unter 2% (v.a. Vietnamesen und Polen).

nach oben