Die Arbeitsgruppe Umwelt-Epidemiologie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Bedeutung verschiedener Umweltfaktoren für die Entstehung unterschiedlicher Krebserkrankungen zu untersuchen.
Einer der Schwerpunkte liegt auf der Untersuchung der schützenden (präventiven) Effekte von körperlicher Aktivität auf das Risiko an Krebs zu erkranken sowie auf deren unterstützender Wirkung bei der Therapie dieser Krankheit. Körperliche Aktivität könnte eine große Rolle beim Kampf gegen den Krebs spielen und auch die Ausbreitung von anderen in den Bevölkerungen von Industrienationen häufig vorkommenden Erkrankungen hemmen. Langzeitstudien über die schützenden Wirkungen wurden in unserer Gruppe im Bereich des postmenopausalem Brustkrebs, der Dick- und Enddarmtumoren, sowie bei Magen,- Nieren und Lungenkrebs durchgeführt. Die Daten der meisten dieser Studien wurden im Rahmen nationaler und internationaler Zusammenarbeiten gesammelt. Darüber hinaus werden mögliche biologische Mechanismen in der Zelle wie Insulin-ähnliche Wachstumsfaktoren (IGF) und endogene Geschlechtshormone untersucht, von denen angenommen wird, dass sie die schützenden Effekte von körperlicher Aktivität vermitteln.
Des Weiteren arbeiten wir an der notwendigen Verbesserung der Wirksamkeit von Erhebungsinstrumenten für die körperliche Aktivität, z.B. der Fragebögen die in epidemiologischen Studien eingesetzt werden. Diese Erfahrung fließt in Planung der Helmholtz-Kohorte ein, in der körperliche Aktivität ein Schwerpunkt sein wird. Zusätzlich zur Präventionsforschung laufen klinisch-epidemiologische Studien und randomisierte, kontrollierte Interventionsstudien zu den positiven Auswirkungen von körperlicher Aktivität auf Krebs- und Therapie-bedingte Fatigue (Erschöpfung) und auf die Lebensqualität der Krebspatienten. Ausführlichere Informationen (auf Englisch) finden Sie hier.
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeitsgruppe liegt auf dem Zusammenhang von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern (z.B. durch Handys) und der Entstehung von Hirntumoren, sowie anderen Krankheiten, wie z.B. den neuro-degenerativen Erkrankungen (Alzheimer, Parkinson, etc.). Unsere Arbeitsgruppe war und ist an mehreren nationalen und internationalen Studien beteiligt, die sich mit Fragen der öffentlichen Gesundheit der Bevölkerung beschäftigen und damit wichtige Grundlagen für politische Entscheidungen im Öffentlichen Gesundheitswesen liefern. Die beiden wichtigsten Fall-Kontroll-Studien sind die INTERPHONE-Studie, bei der 13 Länder beteiligt sind, und die INTEROCC-Studie, eine Unterstudie der INTERPHONE-Studie, mit acht beteiligten Ländern. Die INTEROCC-Studie beschäftigt sich mit Risikofaktoren im beruflichen Umfeld, insbesondere mit chemischen Stoffen und elektro-magnetischen Feldern. Der deutsche Studiengruppe dieser beiden Studien besteht wiederum aus drei Studienzentren, dem Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik der Universität Mainz (IMBEI), der AG Epidemiologie und Medizinische Statistik der Universität Bielefeld und unserer Arbeitsgruppe. Die im Rahmen dieser Studien zusammengetragenen Daten erlauben es auch andere mögliche Risikofaktoren für die Entstehung von Hirntumoren zu untersuchen, wie z.B. radioaktive Strahlen bedingt durch medizinische diagnostische oder therapeutische Maßnamen oder spezielle berufliche Expositionen. Eine weiteres Gebiet innerhalb der Epidemiologie der Gehirntumoren ist die Erforschung des inversen Zusammenhangs von atopischen Erkrankungen (Asthma, Heuschnupfen und atopische Dermatitis) auf die Entstehung eines speziellen Hirntumors, des Glioms, der in verschiedenen früheren Studien erörtert wurde. Zurzeit haben wir keinen schlüssigen Hinweis auf einen diesbezüglichen biologischen Mechanismus. Im Rahmen der EPIC-Studie wurden uns Fragebogen-Daten und spezifische in Seren gemessene IgE-Werte zur Verfügung gestellt. Diese Untersuchung erlaubt uns die Ergebnisse von retrospektiven Studien anhand einer prospektiven Annährung mit Hilfe von Fragebogendaten und Biomarkern zu überprüfen. Ausführlichere Informationen (auf Englisch) finden Sie hier.
Das bevölkerungsbezogene Mainzer Geburtenregister Mainzer Modell erfasst alle Lebendgeborene, Totgeborene, spontane und induzierte Aborte in Rheinhessen (Bevölkerung: ca. 400.000 Einwohner). Seit 1990 wurden mehr als 63.000 Neugeborene (ca. 3.500 im Jahr) untersucht. Dadurch konnten Zusammenhänge zwischen angeborenen morphogenetische Fehlbildungen und möglichen verursachenden Faktoren überprüft werden. Eine Spezialstudie des Mainzer Models befasst sich mit Fehlbildungen bei Neugeborenen in der Umgebung von deutschen Kernkraftwerken. Zusätzlich werden die jährlichen Standardauswertungen durchgeführt. Ausführlichere Informationen (auf Englisch) finden Sie hier.
Die Arbeitsgruppe ist Mitantragsteller des Graduiertenprogramms in Epidemiologie (DFG-GRK793), ihre Mitglieder beteiligen sich aktiv an der Lehre und haben herausragende Positionen in wissenschaftlichen Gremien und Fachgesellschaften.