Das Rauchverhalten erfüllt bei vielen Rauchern die Kriterien einer Abhängigkeitserkrankung. Bei Zugrundelegung der Diagnosekriterien nach ICD-10 F 17.xx können 70 bis 80% aller Raucher in Deutschland als abhängig bezeichnet werden. Der Diagnoseschlüssel ICD-10 (International Classification of Diseases = Internationale Klassifizierung von Krankheiten) wird in Deutschland zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung eingesetzt. Laut der neuesten Repräsentativerhebung erreichen etwa 35% aller befragten Raucher einen Wert von vier oder mehr Punkten im Fagerström-Test für Nikotinabhängigkeit und können damit als "deutlich abhängig" bezeichnet werden. Lediglich bei 27,5% der Raucher wurde ein Fagerström-Wert von null ermittelt. Auch die Häflte aller Raucher mit einem Tageskonsum von fünf oder weniger Zigaretten berichten von mindestens einem Indikator einer Tabakabhängigkeit. Bei Kindern und Jugendlichen, die mit dem Rauchen begonnen haben, entwickeln sich häufig schon innerhalb weniger Tage oder Wochen Entzugssymptome wie Unruhe, Ängstlichkeit oder ein starker Drang zum Rauchen. Viele Kinder, die täglich rauchen, geben außerdem an, daß die Entzugssymptome Anlaß zum Weiterrauchen sind.
Trotz starker Austiegsmotivation fällt es vielen Rauchern schwer, mit dem Rauchen aufzuhören. Tabakabhängigkeit ist die Ursache der niedrigen Erfolgsquoten bei der Entwöhnung: So führen lediglich 3 - 5% der Ausstiegsversuche, die ein Raucher ohne fremde Hilfe über Spontanentschlüsse initiiert zu langfristiger Abstinenz. Dennoch schaffen es die meisten Raucher im Laufe ihres Lebens, oft nach mehrfachen Aufhörversuchen, ohne fremde Hilfe mit dem Rauchen aufzuhören. Rein rechnerisch werden bei einer 5%-tigen Erfolgschance über zehn Ausstigesversuche benötigt, um rauchfrei zu werden. Von den Rauchern, die an einem Entwöhnungsprogramm teilnehmen sind ein Jahr danach noch bis zu zwanzig Prozent Nichtraucher. Wenn jemand, der mittels professioneller Raucherentwöhnung abstinent gewordenen ist, rückfällig wird, passiert das häufig kurz nach dem Behandlungsende.
Die meisten Raucher werden erst nach mehreren Aufhörversuchen schließlich Nichtraucher.
Welches Ausmaß Tabakabhängigkeit annehmen kann, wird durch die Tatsache verdeutlicht, dass Raucher häufig nicht in der Lage sind, aufzuhören, auch wenn sie einen chirurgischen Eingriff infolge tabakbedingter Krankheiten vor oder hinter sich haben. In England versuchen etwa 40% der Patienten, denen der Kehlkopf entfernt wurde, bald nach der Operation weiter zu rauchen, und die Hälfte aller ehemals rauchenden Lungenkrebspatienten nehmen nach der Operation das Rauchen wieder auf.
Neben der reinen Gewohnheit und sozialen Faktoren spielt die psychotrope Wirkung des Nikotins eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Tabakabhängigkeit. Für die Abhängigkeitsentwicklung ist das komplexe Zusammenspiel psychologischer und neurobiologischer Faktoren maßgeblich.
Es kommt zu neuroadaptiven Veränderungen im Gehirn, speziell davon betroffen ist das Dopaminsystem wie auch das Acetycholinrezeptorsystem. Eine Toleranzentwicklung gegenüber dem Nikotin setzt rasch ein, was unter anderem damit zusammen hängt, dass sich die Dichte der nikotinergen Acethycholinrezeptoren durch das Rauchen erhöht. An diese Rezeptoren bindet das Nikotin, stößt Prozesse im sogenannten Belohnungszentrum des Gehirns an und löst dadurch eine als angenehm erlebte Empfindung aus. Die Zahl der Nikotinrezeptoren kann sich bis zu verdoppeln. Zusätzlich wird eine Stimulation der Dopaminfreisetzung durch Nikotin vermutet. Wenn die Nikotinspeicher sich dann über die Zeit, in der nicht geraucht wurde, abbauen, treten typische Entzugssymptome wie Unruhe oder Gereiztheit oder auch ein allgemeines Unwohlsein auf, die durch erneutes Rauchen kompensiert werden.
Ein Rauchstopp bringt sofortige und entscheidende gesundheitliche Vorteile für Raucher aller Altersgruppen. Raucher, die vor dem 50ten Lebensjahr mit dem Rauchen aufhören, haben ein nur halb so großes Risiko, innerhalb der nächsten 15 Jahre zu sterben wie diejenigen, die weiterrauchen. Die Aufgabe des Rauchens kann zur Verringerung armutsbedingter Krankheiten und den damit verbundenen Kosten führen, da Geld, das vorher für das Rauchen ausgegeben wurde, für gesündere Ernährung und gesündere Lebensstile aufgewendet werden kann. Somit stellt die Behandlung von Rauchern mittels wirksamer Maßnahmen eine äußert effiziente und kosteneffektive Nutzung von Ressourcen des Gesundheitswesens dar.
Angebote zur Tabakentwöhnung gelten als sehr kosteneffektive Methoden, um durch das Rauchen verursachte Gesundheitsschäden und damit verbundene Kosten zu reduzieren. Allerdings gibt es bei den Angeboten zur Tabakentwöhnung große Qualitätsunterschiede. Nicht jede angebotene Entwöhnungsmaßnahme ist auch empfehlenswert. Eine empfehlenswerte Raucherentwöhnungsmaßnahme zeichnet sich durch eine transparente wissenschaftliche Fundierung aus, d.h.
Zur Feststellung des aktuellen Stands der Raucherentwöhnung in Deutschland und der Struktur der Therapieangebote wurde im Jahr 2007 eine Vollerhebung von Angeboten zur Tabakentwöhnung mit dem Ziel durchgeführt, Unterschiede zwischen den Anbietern und in der Angebotsstruktur zu objektivieren sowie regionale Unterschiede aufzuzeigen. Etwa ein Viertel der Anbieter gab an, nicht über eine Zusatzqualifikation zur Tabakentwöhnung bzw. Behandlung von Suchtkranken zu verfügen. Dies traf insbesondere für Ärzte signifikant häufiger zu als für andere Berufsgruppen. Überwiegend orientiereten sich Anbieter am Programm "Rauchfrei in 10 Schritten" bzw. dem Nachfolgeprogramm "Das Rauchfrei Programm" sowie der Methode der kognitiven Verhaltenstherapie.
Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft und die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) aber auch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin haben jeweils Leitlinien zur Behandlung der Tabakabhängigkeit heraus gegeben.
Bereits die alleinige Aufforderung zum Rauchverzicht durch in Gesundheitsberufen Tätige, wie Ärzte, Therapeuten, Krankenpflegepersonal oder andere hat einen nachvollziehbaren Effekt sowohl auf die Aufhörmotivation als auch die erreichten Abstinenzraten von Rauchern.
Bei einem höheren Grad der Abhängigkeit, wie es oft gerade bei den Rauchern der Fall ist, denen es trotz tabakrauchbedingter Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauferkranungen oder Lungenerkrankungen oder auch infolge psychischer Begleiterkrankungen bisher nicht gelungen ist, dauerhafte Abstinenz zu erreichen, haben sich Tabakentwöhnungsprogramme bewährt, die eine Kombination aus psychologischer Unterstützung, ärztlichen und medikamentösen Maßnahmen integrieren. Solche intensiven Maßnahmen bieten meist mehrere Gruppen- oder Einzeltherapiesitzungen an, die durch einen Psychologen geleitet werden.
Solche Programme können sowohl ambulant als auch im Rahmen einer stationären Reha-Behandlung durchgeführt werden, wie sie in den meisten Reha-Einrichtungen angeboten werden. Für viele Raucher ist es eine Hilfe, "Mitstreiter" in Punkto der Erreichung von Tabakabstinenz zu haben, die mit den gleichen Bedenken oder Schwierigkeiten zu kämpfen haben, wie sie selbst. Auch der Austausch positiver Erfahrungen mit bestimmten Strategien, um beispielsweise dem Rauchverlangen entgegen zu wirken, motiviert zum Durchhalten und zeigt, dass Abstinenz tatsächlich auf Dauer erreichbar ist.
Anbieter von Raucherberatung und erprobten Tabakentwöhnungsprogrammen finden Sie hier.