Raucherentwöhnung bei Jugendlichen
Inhaltsübersicht
Jugendliche sind zum Rauchausstieg motiviert
Jugendliche Raucherinnen und Raucher sind häufig zu einem Rauchausstieg motiviert. Im Alter von 18 Jahren bedauern annähernd zwei Drittel, mit dem Rauchen begonnen zu haben, die Mehrzahl möchte wieder mit dem Rauchen aufhören. Zwei Drittel der Aufhörwilligen hat zu diesem Zeitpunkt bereits mindestens einen erfolglosen Ausstiegsversuch absolviert, aber nur 1,5 % haben während der letzten zwölf Monate erfolgreich mit dem Rauchen aufgehört.
Daher sind Unterstützungsmaßnahmen speziell für jugendliche Raucherinnen und Raucher längst überfällig. Die Wirksamkeit von Aufhörprogrammen für rauchende
Jugendliche ist allerdings bisher weitgehend unbekannt, weil nicht klar ist, inwieweit Jugendliche sich von den existierenen Raucherentwöhnungsprogrammen angesprochen fühlen.
Rauchverhalten Jugendlicher in Deutschland
Die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat in regelmäßigen Abständen das Suchtverhalten Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland untersucht. In der sogenannten Drogenaffinitätsstudie wurde unter anderem auch der Umgang mit der Droge Tabak untersucht.
Nachdem von 1979 bis Anfang der 1990er Jahre der Anteil rauchender
Jugendlicher zurück gegangen war, kam es von 1993 bis 2000 zu einem deutlichen Anstieg des Rauchverhaltens Jugendlicher. Seit dem Jahr 2001 ist wiederum sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Jugendlichen ein starker Rückgang zu beobachten. Bei den männlichen Jugendlichen sank die Raucherquote von 27,2 % im Jahr 2001 auf 14,7 % im Jahr 2008 und bei den weiblichen Jugendlichen von 27,9 % (2001) auf 16,2 % (2008).
Allerdings haben sich unter Jugendlichen auch neue Trends im Tabakkonsum entwickelt. Einer dieser Trends ist der Konsum von Shisha, der Wasserpfeife. 39,7 % der Jugendlichen gaben an, bereits mindestens einmal in ihrem Leben eine Wasserpfeife geraucht zu haben. Der Anteil derer, die im letzten Monat vor der Befragung mindestens einmal Wasserpfeife geraucht hatten, lag 2008 bei 12,2 %. Dabei gab es im Hinblick auf Bekanntheitsgrad und Konsumverhalten keine Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen.
Der vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) herausgegebene Drogen und Suchtbericht 2009 der Drogenbeauftragten der Bundesregierung zeigt auf, dass die Raucherquote trotz der verzeichneten Abnahme der Zahl der rauchenden Jugendlichen insgesamt in den letzten Jahren in Deutschland im europäischen Vergleich noch immer im oberen Mittelfeld liegt.
Außerdem zeigte sich eine deutlich ausgeprägte Polarisierung dahingehend, dass die Rauchquote der Raucherinnen und Raucher bei Hauptschülerinnen und -schülern der Sekundarstufe I mit 18,8 % inzwischen mehr als viermal so hoch wie an Gymnasien (4,3 %).
Programme zum Rauchverzicht für Jugendliche
Das Rauchfrei Programm für Jungendliche der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist ein auf Jugendliche Nutzer zugeschnittenes interaktives Internet-Programm, welches Jugendlichen einerseits dabei helfen kann, ihr Rauchverhalten besser einzuschätzen, und andererseits Unterstützung bei der Reduzierung oder Beendigung des Rauchens gibt.
Über die Erstellung eines Raucherprofils zur individuellen Zielfestlegung wird der Nutzer Schritt für Schritt auf den Rauchstopp vorbereitet. Ein wichtiger Aspekt ist auch der Austausch mit anderen Mitgliedern der Rauchfrei Community über ein Forum.
Das Rauchstopp-Programm Just be smokefree ist ein Selbsthilfeprogramm für Jugendliche und junge Erwachsene, das von der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) initiiert wurde. Kooperationspartner sind das IFT-Nord, die Deutsche Krebshilfe, die BÄK und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.
Jugendliche und junge Erwachsene Raucherinnnen und Raucher können sich zu dem Programm allein, mit einem Paten oder im Team anmelden. Eine auf Jugendliche zugeschnittene Broschüre gibt zahlreiche Tipps und Anregungen
zum Rauchstopp. Für den Einsatz in der Schule gibt es ein spezielles Faltblatt, außerdem wurde eine Elternbroschüre entwickelt, die Eltern Anregungen zum Umgang mit ihren Kindern beim Thema Rauchen gibt.
Jugendliche, die noch nicht ausreichend motiviert sind, mit dem Rauchen aufzuhören, erhalten über interaktive Tests im Internet eine direkte Rückmeldung zu ihrem Rauchverhalten.
Die IKK Niedersachsen bietet in Kooperation mit der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen (NLS) und dem Neuhimmel-Forum Kurse für Schülerinnen und Schüler an, die das Rauchen aufgeben möchten.
Die strukturellen Rahmenbedingungen für die Umsetzung des Projektes Just 4 U, don?t smoke, be free werden durch die jeweilige Schule geschaffen, wobei die Lehrer ihre Schüler zur Teilnahme motivieren. Das Ziel des ersten Kursbausteines ist es, die Teilnehmer zum Nichtrauchen zu motivieren und sie selbst die Verantwortung dafür übernehmen zu lassen.
Thematischer Schwerpunkt der zweiten Einheit bildet die Veränderung eingespielten Verhaltens und eigener Lebensgewohnheiten im Zusammenhang mit dem Rauchen. Die dritte Einheit soll den Schülern die Vorteile eines rauchfreien Lebens verdeutlichen und ihnen bei der Entwicklung von Alternativen zum Rauchen behilflich sein.
Das Nichtrauchertraining Dein Stil - Rauchfrei für Jugendliche ist ein lokales Angebot der Villa Schöpflin in Lörrach und richtet sich an alle Mädchen und Jungen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren, die mit dem Rauchen aufhören möchten. Neben der Unterstützung durch einen sogenannten „Buddy“, mit dem sie einen Vertrag zum Nichtrauchen abschließen, erhalten die Jugendlichen Tipps zum Umgang mit Stress oder Entzugserscheinungen und lernen, alte Verhaltensmuster und Gewohnheiten durch gesunde Alternativen zu ersetzen. Gemeinsame Aktionen wie Klettern oder Geo-caching machen Spass und motivieren zum Durchhalten.
Das Suchtpräventionszenrum (SPZ) am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulenentwicklung Hamburg unterstützt Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen bei der systematischen Suchtprävention. Das SPZ hat den Kurs Und Tschüss zum Rauchstopp für Jugendliche und junge Erwachsene entwickelt, mit dem Schülerinnen und Schüler direkt in der Schule unterstützt werden sollen, die das Rauchen aufgeben möchten. Das Kursangebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab der 9./10. Klasse. Der Kurs ist kostenlos und findet einmal wöchentlich 90 Minuten und über 6 Wochen statt. Terminplanung und Organisation des Kurses erfolgt nach Absprache mit der Schule.
Das Programm Ich knick' die Kippe und werde wieder Nichtraucher/in der Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holstein (LSSH)stellt Lehrern ein Manual zur Unterstützung von Jugendlichen beim Rauchausstieg zur Verfügung. Jugendliche im Alter zwischen 13 und 20 Jahren, die mit dem Rauchen aufhören wollen bekokmmen in 11 Gruppentreffen praktische Hinweise zum Rauchausstieg. Das Programm ist nach dem Baukastenprinzip aufgebaut und kann nach Bedarf flexibel zusammengestellt werden. Die Leitung kann sowohl von Lehrkräften, Sozialpädagogen oder engagierten Eltern als auch von älteren Mitschülern übernommen werden.