Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Krebssterblichkeit in Baden-Württemberg

Nr. 05a | 30.01.2018 | von nis

Berücksichtigt man, dass die Menschen heute im Durchschnitt viel älter werden als noch vor 20 Jahren, so geht seit Jahren die Krebssterblichkeit überall in Deutschland zurück. Der aktuelle Bericht des am Deutschen Krebsforschungszentrum angesiedelten Epidemiologischen Krebsregisters Baden-Württemberg gibt Auskunft über die Krebssterblichkeit im drittgrößten Bundesland. Die Daten zeigen, dass in Baden-Württemberg bei einigen Krebsarten, etwa bei Lungenkrebs, Harnblasenkrebs und Speiseröhrenkrebs, die Sterberaten deutlich unterhalb des Bundesdurchschnitts liegen. Insgesamt ist die Krebsmortalität jedoch bei vielen Krebsarten nahezu identisch mit der in Deutschland insgesamt.

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Der aktuelle Bericht des Epidemiologischen Krebsregisters Baden-Württemberg stellt für 23 Krebsarten die zeitliche Entwicklung der Krebssterblichkeit zwischen 1970 und 2015 für dieses Bundesland dar und vergleicht sie mit der Entwicklung in Deutschland.

„Die Mortalität ist ein wichtiger Aspekt der Krebslandschaft eines Landes. Die Anzahl der an den verschiedenen Krebsarten verstorbenen Personen in einem bestimmten Zeitraum gibt Auskunft über ganz elementare Fragen", erklärt Volker Arndt, der das Epidemiologische Krebsregister (EKR) Baden-Württemberg am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg leitet. „Wir lernen daraus, welche Krebsarten am häufigsten zum Tode führen und bei welchen die Sterblichkeit zu- oder abnimmt. Diese Informationen spiegeln nicht nur die Erfolge verbesserter Präventions-, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten wieder. Sie können auch wichtige Hinweise für die Krebsursachenforschung oder für gesundheitspolitische Entscheidungen liefern."

Wie in Gesamtdeutschland ist Krebs in Baden-Württemberg nach den Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache und verantwortlich für etwa ein Viertel aller Todesfälle. Lungenkrebs ist mit Abstand die häufigste Krebstodesursache bei Männern: Für das Jahr 2015 sind etwa ein Viertel aller Krebssterbefälle bei Männern auf Lungenkrebs zurückzuführen, darauf folgen Darm- und Prostatakrebs. Bei Frauen ist Brustkrebs die häufigste Krebstodesurasche, gefolgt von Lungen- und Darmkrebs. Rund die Hälfte aller Krebstodesfälle geht auf das Konto dieser jeweils drei häufigsten Krebsarten.

Zwar ergibt sich aus den absoluten Zahlen über den analysierten Zeitraum eine ansteigende Tendenz für tödlich verlaufende Krebserkrankungen, dies ist allerdings vor allem auf den größer werdenden Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung zurückzuführen. Wenn man die Effekte der demographischen Alterung herausrechnet, ist eine rückläufige Mortalitätsrate für Krebs insgesamt sowie für die meisten der betrachteten Krebsarten zu verzeichnen. So sind die Sterberaten bei bösartigen Neubildungen an Magen, Darm, Gallenblase, Brust, Gebärmutterkörper, Eierstöcken, Prostata, Hoden, Harnblase, Schilddrüse sowie bei Hodgkin-Lymphomen, Non-Hodgkin-Lymphomen und Leukämien gesunken. Nahezu unverändert zeigen sich die Daten für Leberkrebs und für das maligne Melanom.

Betrachtet man die Daten geschlechtsbezogen, gehen im zeitlichen Verlauf die altersstandardisierten Mortalitätsraten bei Frauen für Krebs insgesamt über den beobachteten Zeitraum kontinuierlich zurück. Für Männer ist nach einem zunächst weitgehend konstanten Verlauf erst seit etwa Anfang der 1990er Jahre ebenfalls ein Rückgang zu beobachten.

Von diesem Gesamtbild unterscheiden sich einzig die Daten für Lungenkrebs: Bei Frauen zeigt sich hier ein deutlicher Anstieg der Mortalität, während sie bei Männern rückläufig ist. „Beide Trends hängen vermutlich mit dem unterschiedlichen Rauchverhalten zusammen. Während immer weniger Männer rauchen, stieg der Anteil an Raucherinnen in den vergangenen Jahrzehnten an. Dementsprechend ist auch bei anderen mit Tabakkonsum assoziierten Krebsarten, wie Krebs in Mundhöhle, Rachen oder Speiseröhre sowie Harnblasenkrebs, ein Rückgang der Mortalitätsraten bei Männern und gleichzeitig ein leichter Anstieg bei Frauen eingetreten", führt Volker Arndt aus.

Bei den Krebsarten, die in Zusammenhang mit Rauchen stehen, liegen die standardisierten Sterberaten in Baden-Württemberg um 20 bis 33 Prozent niedriger als auf Bundesebene. Dies schlägt auch auf die Krebsmortalität insgesamt durch, so dass sie über alle Krebsentitäten hinweg für Männer um 13,5 Prozent und für Frauen um 7,2 Prozent niedriger liegt. „Dieser erfreuliche Befund lässt sich auf die niedrigere Raucherquote in Baden-Württemberg gegenüber dem Bundesdurchschnitt zurückführen", erklärt der EKR-Leiter.

Das Epidemiologische Krebsregister Baden-Württemberg ist Teil des Krebsregisters Baden-Württemberg. Es wird finanziert durch das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg.

Der Bericht des Epidemiologischen Krebsregisters Baden-Württemberg steht zum Download zur Verfügung unter:
http://www.krebsregister-bw.de/fileadmin/filemount/allgemein/Publikationen/Mortalitaetsbericht_2018.pdf

 

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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