Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Brustkrebs und Familienplanung

Nr. 52 | 25.10.2017 | von jg

Bei vielen Frauen ist nach einer Brustkrebstherapie die Fruchtbarkeit eingeschränkt. Durch die Behandlung werden nicht nur die Krebszellen, sondern auch die Keimzellen geschädigt. Vor allem jüngere Frauen mit Kinderwunsch sollten sich daher vor der Behandlung beraten lassen. Eine aktuelle Studie* zeigt außerdem, dass Rauchen einen zusätzlichen negativen Einfluss auf die Funktion der Eierstöcke hat. Beratung und ein sofortiger Rauchstopp können helfen, das Risiko der Unfruchtbarkeit nach Chemotherapie zu reduzieren. Der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums vermittelt Betroffenen Ansprechpartner und Anlaufstellen.

© Krebsinformationsdienst/Deutsches Krebsforschungszentrum

Diagnose Brustkrebs – auch an einen künftigen Kinderwunsch denken
Ungefähr ein Drittel aller jungen Brustkrebspatientinnen hat zum Zeitpunkt der Diagnose die Familienplanung noch nicht abgeschlossen. Trotzdem beginnen viele mit einer Chemotherapie, ohne vorher über den möglichen Verlust ihrer Fruchtbarkeit aufgeklärt worden zu sein. Fachliche Beratungen zu den Risiken und der Wahrscheinlichkeit, nach einer Chemotherapie schwanger zu werden, finden nicht immer statt. Die Antihormontherapie, die das Rückfallrisiko senkt, wird bis zu zehn Jahre lang gegeben. Danach kann es vor allem für 30- bis 40-jährige Frauen mit Kinderwunsch schon zu spät sein.

Die medizinischen Fachgesellschaften haben auf das Problem reagiert und die Leitlinie „Fertilitätserhaltung bei onkologischen Therapien" initiiert. Voraussichtlich bis März 2018 werden auf der Basis wissenschaftlicher Daten Handlungsempfehlungen zur Beratung entworfen und fruchtbarkeitserhaltende Maßnahmen für Krebspatienten empfohlen. Neben den Lebensumständen soll dabei auch das individuelle Risikoprofil berücksichtigt werden.

Ein weiterer Baustein des Maßnahmenplans: Verständliche, neutrale und umfassende Informationen für Patientinnen, Angehörige und Ärzte. Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums, dazu: „Diese Leitlinie ist längst überfällig. Viele Krebspatientinnen sind sich der Problematik nicht bewusst. Verständlicherweise stehen angesichts der akuten Erkrankung auch zunächst andere Fragen und Ängste im Vordergrund. Umso wichtiger ist die Beratung durch die behandelnden Ärzte vor Beginn der Chemotherapie." Der KID, Ansprechpartner für alle Fragen rund um das Thema Krebs, vermittelt telefonisch unter 0800-420 30 40 und via E-Mail unter krebsinformationsdienst@dkfz.de Informationen, Adressen und Anlaufstellen.

Raucherinnen sind häufiger betroffen
Neben der Chemotherapie spielen auch Lebensstilfaktoren eine Rolle für die Wiederherstellung der Fruchtbarkeit: „In einer kürzlich erschienenen Studie* haben Kollegen der Universität Kiel bei 51 Brustkrebspatientinnen die Auswirkungen einer Chemotherapie untersucht", sagt Dr. Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum. „Im ersten Halbjahr nach Beginn der Chemotherapie setzte die Menstruation bei fast allen Patientinnen zwar aus, war aber nach zwei Jahren bei mehr als einem Drittel der Patientinnen wieder normal. Aber: Die Hälfte der Nichtraucherinnen hatte ihre Regel nach zwei Jahren wieder, während sie bei 92 Prozent der Raucherinnen auch nach zwei Jahren noch ausblieb." Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass Rauchen bei Brustkrebs-Patientinnen zu einer beschleunigten Eierstockalterung und einer vorzeitigen Menopause führt.

Ein Rauchstopp ist daher empfehlenswert. „Die Bereitschaft mit dem Rauchen aufzuhören ist nach einer Krebsdiagnose oft erhöht", sagt Ute Mons. „In dieser Situation sind vor allem die Ärzte gefordert. Sie sollten die Bereitschaft zum Rauchstopp der Patienten unterstützen, zum Beispiel in Form einer Raucherberatung im Rahmen der medizinischen Behandlung." Auch sei es für den Rauchstopp nie zu spät. Denn schon nach Tagen oder Wochen zeigt sich eine positive Wirkung auf die Körperphysiologie.

Informationen zum Thema finden Sie auch unter:
www.krebsinformationsdienst.de/leben/alltag/kinderwunsch-index.php

www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/leben.php

*A. Wenners, J. Grambach, J. Koss, N. Maass, W. Jonat, A. Schmutzler, C. Mundhenke. Reduced ovarian reserve in young early breast cancer patients: preliminary data from a prospective cohort trial. BMC Cancer 2017; 17:632

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Der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums beantwortet alle Fragen rund um das Thema Krebs – am Telefon (0800-420 30 40), per E-Mail (krebsinformationsdienst@dkfz.de) sowie in persönlichen Sprechstunden in Heidelberg und Dresden. Das geschulte Ärzteteam geht mit fundierten fachlichen Informationen auf individuelle Fragen ein. Die Internetseite www.krebsinformationsdienst.de liefert aktuelles Wissen, nützliche Tipps und Adressen. Mit eigener Telefonnummer (0800-430 40 50) und E-Mail-Adresse (kid.med@dkfz.de) ist der KID auch Anlaufstelle für medizinische Fachkreise. Der Krebsinformationsdienst ist ein kostenfreies Angebot des Deutschen Krebsforschungszentrums. Er kann daher unabhängig informieren, frei von Interessenkonflikten und ohne Werbung.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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