Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mehr Aussagekraft für die Darmkrebs-Früherkennung

Nr. 17 | 29.03.2017 | von Koh

Ab dem 1. April übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen immunologische Tests auf verborgenes Blut im Stuhl (iFOBT) zur Früherkennung von Darmkrebs. Wissenschaftler um Hermann Brenner im Deutschen Krebsforschungszentrum konnten die Überlegenheit dieses Nachweisverfahrens belegen.

Hermann Brenner
© DKFZ/Tobias Schwerdt

Drei Fragen an Hermann Brenner:

Herr Prof. Brenner, zur Früherkennung von Darmkrebs haben alle gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland ab dem 50. Geburtstag jährlich einmal Anspruch auf einen immunologischen Test auf verborgenes Blut im Stuhl. Die immunologischen Tests, die den Blutfarbstoff Hämoglobin mit Antikörpern nachweisen, lösen nun die so genannten Enzymtests ab. Wie verbessert das neue Verfahren die Früherkennung von Darmkrebs?

Hermann Brenner: 2013 haben wir beide Testverfahren einem großangelegten direkten Vergleich unterzogen – mit einem überzeugenden Ergebnis: Die immunologischen Tests spüren etwa doppelt so viele Krebserkrankungen und rund dreimal so viele der fortgeschrittenen Krebsvorstufen auf und liefern gleichzeitig weniger falsch positive Ergebnisse. Die diagnostische Aussagekraft der immunologischen Stuhltests ist damit deutlich höher als die des Enzymtests.

Außerdem sind die immunologischen Tests weniger fehleranfällig, da die Antikörper spezifisch auf menschliches Hämoglobin reagieren. Der Proband muss also nicht vorab bestimmte Lebensmittel vermeiden, die das Ergebnis verfälschen könnten.

Kann der neue Stuhltest eine Darmspiegelung ersetzen?

Hermann Brenner: Was die diagnostische Sicherheit betrifft, ist die Darmspiegelung nach wie vor der Goldstandard. Jedoch nehmen nur rund 20 bis 30 Prozent aller Versicherten im entsprechenden Alter dieses Angebot auch wahr. Daher sind die Tests auf verborgenes Blut weiterhin wichtig, denn mit ihnen können auch Menschen erreicht werden, die sich nicht zu der aufwändigeren Darmspiegelung entschließen. Umso wichtiger ist es, dass der Labortest dann auch aussagekräftig ist!

Gibt es weitere Möglichkeiten, um mehr Menschen davon zu überzeugen, an der Darmkrebsfrüherkennung teilzunehmen?

Hermann Brenner: Mit einer kürzlich publizierten Studie* konnten wir zeigen, dass etwa 60 Prozent mehr Menschen einen Test auf verborgenes Blut wahrnehmen, wenn sie mit einem persönlichen Anschreiben, dem der Test direkt beigefügt ist, über die Darmkrebsvorsorge informiert und zur Teilnahme eingeladen werden. Unsere holländischen Nachbarn haben ein solches Verfahren inzwischen in die Routine umgesetzt und erreichen damit Teilnahmeraten von über 60 Prozent. Davon sind wir in Deutschland noch weit entfernt.

Die Forderung nach Einführung eines organisierten Früherkennungsprogramms mit persönlicher Information und Einladung ist im Nationalen Krebsplan seit Jahren festgeschrieben. Es wird höchste Zeit, das Einladungsverfahren bundesweit umzusetzen!

*Hoffmeister M, Holleczek B, Zwink N, Stock C, Stegmaier C, Brenner H: Screening for bowel cancer: increasing participation via personal invitation—a randomized intervention study. Deutsches Ärzteblatt Int 2017; DOI: 10.3238/arztebl.2017.0087

Individuelle Fragen zur Darmkrebsvorsorge beantwortet der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums unter 0800 420 30 40 (täglich von 8 bis 20 Uhr) oder per E-Mail unter krebsinformationsdienst@dkfz.de

Mehr Information zu den immunologischen Stuhltests:
https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/2017/news24-immunologischer-stuhltest-darmkrebs-frueherkennung.php

Ein Bild von Hermann Brenner steht zum Download zur Verfügung unter:
www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2017/bilder/Brenner_Hermann.jpg

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Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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