Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Das Gedächtnis des Immunsystems

Nr. 07c | 15.02.2017 | von Koh

Wie bildet sich das Immungedächtnis? Michael Floßdorf vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) konnte diese zentrale Frage der Immunologie mithilfe mathematischer Modellbildung lösen. Dafür erhielt der Nachwuchswissenschaftler nun den Sonderpreis der MTZ-Stiftung.

Michael Floßdorf
© privat

„Michael Floßdorf bewegt sich in seiner Forschungsarbeit souverän zwischen mathematischer Modellbildung, biologischem Experiment und medizinischer Anwendung und ist ein Ausnahmetalent auf dem noch jungen Gebiet der Systembiologie. Er verfügt über die wichtige Fähigkeit, aus umfangreichen systembiologischen Datenmengen konkrete Hypothesen und Vorhersagen zu extrahieren, die zum Ausgangspunkt für informative neue Experimente werden“, begründete die MTZ-Stiftung die Auswahl des Preisträgers.

In seiner Doktorarbeit widmete sich Michael Floßdorf einer zentralen Frage der Immunologie – dem zellulären Ursprung des immunologischen Gedächtnisses. Dabei fanden er und seine Kooperationspartner heraus, dass sich das immunologische Gedächtnis gegen Infektionen bereits zu Beginn der Immunantwort herausbildet. Auch die erste Immunantwort, nicht erst die spätere Gedächtnisantwort bei Infektion mit dem gleichen Erreger, leitet sich aus den stammzellartigen Gedächtniszellen ab. Gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern an der Technischen Universität München ist es ihm gelungen, die theoretischen Vorhersagen experimentell zu bestätigen.

Diese Erkenntnisse sind überraschend, da viele Wissenschaftler bisher davon ausgingen, dass sich die Gedächtniszellen erst spät während der Immunantwort ausbilden. Die Ergebnisse besitzen darüber hinaus ein hohes medizinisches Anwendungspotential, da sie Immunzellen identifizieren, die besonders wirksam für eine Zelltherapie von Immunschwächen und Krebs sein können.

Michael Floßdorf hat in Heidelberg und an der Michigan State University Physik studiert und anschließend am DKFZ in der Abteilung Theoretische Systembiologie promoviert. Während seiner anschließenden Zeit als Postdoktorand am DKFZ übernahm er 2015 die Projektleitung in dem vom BMBF-Programm e:Med geförderten Juniorverbund in der Systemmedizin.

Die MTZ-Stiftung hat anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens den mit 2500 Euro dotierten Sonder-MTZ-Award ausgelobt, der sich ausschließlich an junge Nachwuchswissenschaftler im DKFZ richtet. Der Preis ist auch eine Anerkennung für die wissenschaftliche Arbeit des DKFZ insgesamt. Die MTZ-Stiftung fördert junge Nachwuchswissenschaftler der absoluten Spitzenklasse, um die Erforschung von Krankheitsursachen und der Entwicklung von Arzneimitteln voranzutreiben.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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