Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Chica und Heinz Schaller-Stiftung zeichnet DKFZ-Forscher aus

Nr. 03c | 22.01.2016 | von Koh

Mit Hai-Kun Liu und Edward Lemke und zeichnet die Chica und Heinz Schaller-Stiftung zwei exzellente junge Forscher am Wissenschaftsstandort Heidelberg aus: Sie erhalten den nach den beiden Stiftern benannten Förderpreis für das Jahr 2015, der mit Forschungsmitteln in Höhe von jeweils 100.000 Euro dotiert ist. Die Stiftung würdigt damit Lemkes und Lius hervorragende Arbeiten in der biomedizinischen Forschung. Edward Lemke forscht am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) auf dem Gebiet der Strukturbiologie. Dabei entwickelt er neue biologische Werkzeuge, mit denen sich Biomoleküle manipulieren lassen. Hai-Kun Liu erforscht am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) die Stammzellen des zentralen Nervensystems und ihre Rolle bei der Entstehung von Hirntumoren. Die Preisverleihung findet am 27. Januar 2016 statt.

Hai-Kun Liu
© dkfz.de

Hai-Kun Liu erforscht, wie sich Stammzellen im erwachsenen Gehirn entwickeln und möglicherweise an der Entstehung von Krankheiten beteiligt sind. Zum Zusammenhang zwischen Hirnstammzellen und Hirntumor-Stammzellen konnte Dr. Liu wichtige Ergebnisse erzielen: Er identifizierte das Protein Tlx als Schlüsselmolekül der Hirntumor-Stammzellen. Wurde Tlx in Mäusen genetisch ausgeschaltet, so konnten sich die Tumorstammzellen nicht regenerieren und die krebskranken Tiere überlebten länger. Tlx gilt daher als vielversprechendes Ziel für neue Behandlungsstrategien gegen das Glioblastom, den aggressivsten unter den Hirntumoren. Dr. Liu und seinen Mitarbeitern ist es darüber hinaus gelungen, die genetischen Abstammungslinien von Hirntumor-Stammzellen im lebenden Organismus mitzuverfolgen.

Hai-Kun Liu (Jahrgang 1978) studierte Biologie an der chinesischen Shandong Normal University und wurde am Shanghai-Institut für Biowissenschaften der Chinesischen Akademie der Wissenschaften promoviert. Als Postdoktorand war Dr. Liu von 2005 bis 2010 am DKFZ tätig. Von 2011 an leitete er dort eine Helmholtz-Nachwuchsgruppe, aus der 2015 die Abteilung Molekulare Neurogenetik hervorging. Hai-Kun Lius Abteilung ist eingebunden in die DKFZ-ZMBH-Allianz, die strategische Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg (ZMBH). Sein Labor ist zudem Teil des an der Universität angesiedelten Interdisziplinären Zentrums für Neurowissenschaften. Der Europäische Forschungsrat fördert Dr. Liu seit 2015 mit einem ERC Consolidator Grant.

Die Forschungsgruppe von Edward Lemke untersucht mit Methoden der hochaufgelösten Fluoreszenz-Mikroskopie Proteine, die nicht vollständig gefaltet, also „intrinsisch unstrukturiert“ sind. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, wie solche Proteine eine Barriere formen können, die den Zellkern schützt. Dabei geht es auch um die Frage, wie es beispielsweise HI- und Hepatitis-B-Viren gelingt, diesen Schutz zu umgehen, um eigenes Genmaterial einzuschleusen. Für ihre Arbeiten entwickelt die Lemke-Gruppe neuartige Präzisionswerkzeuge aus der chemischen Biologie, die Mechanismen auf molekularer Ebene in Nanoauflösung direkt sichtbar machen können, ohne in die Funktion der lebenden Zelle einzugreifen.

Edward Lemke (Jahrgang 1978) studierte physikalische Chemie an der Technischen Universität Berlin und an der University of Oklahoma in Norman (USA). Seine Doktorarbeit auf dem Gebiet der Biophysik entstand am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen. Als Postdoktorand forschte Lemke am Scripps Research Institute in La Jolla/Kalifornien und beschäftigte sich dort mit Einzelmolekül-Fluoreszenztechniken und der chemischen Biologie. Seit 2009 ist er Forschungsgruppenleiter am EMBL, zunächst als Leiter einer Emmy-Noether-Gruppe für Nachwuchswissenschaftler (2010) und seit 2015 mit einer Förderung des Europäischen Forschungsrates, einem ERC Consolidator Grant. Seine Forschungsarbeiten führt er in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Heidelberg durch.

Die von den Wissenschaftlern Chica Schaller und Heinz Schaller gegründete Stiftung fördert seit 2000 die biomedizinische Forschung in Heidelberg, indem sie eine Stiftungsprofessur finanziert hat und Stipendien vergibt. Die Chica und Heinz Schaller-Stiftung engagiert sich insbesondere für die Einrichtung und Finanzierung der „Schaller Forschergruppen“, die an der Universität Heidelberg und am Deutschen Krebsforschungszentrum arbeiten. Zu den wesentlichen Förderinstrumenten gehört auch der nach den beiden Stiftern benannte Preis, der seit 2005 jährlich an herausragende junge Heidelberger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben wird. Der Chica und Heinz Schaller-Förderpreis ist mit Forschungsmitteln in Höhe von 100.000 Euro dotiert.

Während der Festveranstaltung am 27. Januar werden Edward Lemke und Hai-Kun Liu ihre Forschungen in kurzen, englischsprachigen Vorträgen vorstellen. Die Laudatio auf Edward Lemke hält EMBL-Generaldirektor Iain Mattaj. Die Arbeit von Hai-Kun Liu würdigt Hannah Monyer, die die Abteilung Klinische Neurobiologie am DKFZ und am Universitätsklinikum Heidelberg leitet. Heinrich Betz vom Vorstand der Chica und Heinz Schaller-Stiftung wird die Veranstaltung moderieren. Die Preisverleihung findet im Bioquant-Gebäude, Im Neuenheimer Feld 267, Ute Greenier-Saal (7. Obergeschoss), statt und beginnt um 16.00 Uhr. Auch die interessierte Öffentlichkeit ist dazu herzlich eingeladen.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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