Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

ERC Starting Grant für Stefan Gröschel

Nr. 58 | 14.12.2015 | von Koh

Mit seinen „Starting Grants“ unterstützt der Europäische Forschungsrat ERC exzellente Nachwuchswissenschaftler beim Aufbau einer unabhängigen Karriere. Stefan Gröschel aus der Abteilung Translationale Onkologie am DKFZ und am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg konnte sich in der aktuellen Runde mit seiner Bewerbung um die renommierte Förderung durchsetzen. Der Mediziner untersucht die übermäßige Aktivierung eines wichtigen Krebsgens. Das Fernziel seiner Forschung ist es, die dahinterstehenden genetischen und epigenetischen Mechanismen mit neuen Wirkstoffen zu drosseln.

Stefan Gröschel
© dkfz.de

Eine ganze Reihe von Krebsarten, darunter insbesondere die akute myeloische Leukämie (AML) und Eierstockkrebs, aber auch viele Fälle von Brust-, Darm- oder Lungenkrebs, werden durch das Krebsgen EVI1 angetrieben. Das Genprodukt von EVI1 hat in der Zelle vielfältige Aufgaben: Es beeinflusst die Aktivität anderer Gene und es greift auf mehreren Wegen in die Verpackung des Erbguts ein. Stefan Gröschel sucht daher nach Möglichkeiten, den gefährlichen Einfluss von EVI1 auf die Zellentartung einzudämmen.

Bereits in früheren Untersuchungen hatte er bei einer seltenen Form der AML entdeckt, dass durch Umlagerungen im Erbgut der Leukämiezellen ein genetisches Verstärkerelement in die Nähe von EVI1 gelangt. Dadurch wird das Krebsgen besonders stark aktiviert und häufig abgelesen. Gröschel vermutet auch bei anderen EVI1-abhängigen Tumoren ähnliche Verstärkermechanismen, die er nun mit sorgfältigen Erbgut-Analysen identifizieren will. Sein Fernziel ist es, überaktives EVI1 mit neuen, epigenetisch wirkenden Medikamenten auf eine Dosis zu drosseln, die nicht mehr krebsfördernd wirkt.

Stefan Gröschel, Jahrgang 1979, hat an der Universität Heidelberg Medizin studiert. Für seine Doktorarbeit forschte er von 2005 bis 2006 an der Emory University in Atlanta, USA. 2007 wechselte er als Wissenschaftler und Assistenzarzt ans Universitätsklinikum Ulm, Innere Medizin III (Hartmut Döhner). Von 2011 bis 2014 forschte er als Postdoc am Erasmus Medical Center der Universität Rotterdam. Seit August 2014 ist Stefan Gröschel am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg in der Abteilung Translationale Onkologie (Christof von Kalle). Stefan Gröschel, Vater von zwei Kindern, hat bereits mehrere Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter 2014 den Lady Tata Memorial Trust International Award for Research in Leukaemia und 2015 den Leukemia Clinical Research Award der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie.

Mit dem ERC Starting Independent Researcher Grant fördert der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) begabte junge Forscher in der frühen Phase ihrer Karriere. Der ERC unterstützt die Wissenschaftler beim Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe in Europa. Die Förderung beträgt 1,5 Millionen Euro innerhalb von fünf Jahren. Die renommierte Forschungsförderung wird in einem hochkompetitiven Verfahren vergeben, nur etwa einer von zehn Anträgen kann sich durchsetzen.

Ein Bild von Stefan Gröschel steht zur Verfügung unter:
http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2015/bilder/Groeschel_Stefan.jpg

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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