Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Deutscher Krebspreis für Stefan Pfister

Nr. 19 | 21.03.2013 | von Koh

Der Molekularbiologe und Kinderarzt Professor Dr. Stefan Pfister untersucht die molekularen Eigenschaften von bösartigen Hirntumoren bei Kindern. Dabei entdeckte er Veränderungen im Erbgut der Tumoren, die heute bereits in der Klinik als Biomarker für Krankheitsverlauf und Therapieansprechen genutzt werden. Einige der Erbgutveränderungen zeigen darüber hinaus Möglichkeiten auf, neue Medikamente zu entwickeln, die krebsfördernde Prozesse gezielt blockieren. Stefan Pfister, der im Deutschen Krebsforschungszentrum forscht und im Universitätsklinikum Heidelberg Kinder behandelt, wird für diese Leistungen mit dem translationalen Teil des Deutschen Krebspreises ausgezeichnet.

Professor Dr. Stefan Pfister
© dkfz.de

Krebserkrankungen bei Kindern können einen unterschiedlich schweren Verlauf nehmen. Da die Behandlung oft Spätfolgen nach sich zieht, ist es wichtig, das weitere Fortschreiten der Erkrankung möglichst genau einschätzen zu können. Ganz besonders gilt dies für Hirntumoren, denn Operation, Strahlen- und Chemotherapie können das Gehirn der jungen Patienten dauerhaft schädigen und so zu Entwicklungsstörungen und anderen Folgeschäden führen.

Hirntumoren haben bei Kindern die wesentlich häufigeren Blutkrebserkrankungen von der Spitze der krebsbedingten Sterblichkeit verdrängt. Kindliche Hirntumoren sind biologisch vielgestaltig und unterscheiden sich sowohl untereinander als auch innerhalb der einzelnen Tumorart. Maßgeschneiderte Therapiemaßnahmen, die gezielt gegen tumortypische Zellveränderungen gerichtet sind, könnten die Behandlung dieser Erkrankungen entscheidend verbessern.

„Ich freue mich außerordentlich über diese hohe Auszeichnung“, sagte Stefan Pfister anlässlich der Preisverleihung in Heidelberg. „Der Preis spornt uns an, weiter auf dem Weg der Translation zu gehen, die Ergebnisse aus unserer Grundlagenforschung in die Klinik zum Wohl unserer Patienten zu übertragen.“ Laudator Professor Wolfgang Wick, Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Neuroonkologie und gleichzeitig Leiter der Neuroonkologischen Klinik des Heidelberger Universitätsklinikums hob Pfisters Verdienste auch um die Erwachsenen-Neuroonkologie hervor: „Stefan Pfister hat grundlegende Mechanismen entdeckt, die nicht nur bei Kindern, sondern auch für die Hirntumoren bei Erwachsenen weitreichende Bedeutung haben.“

Stefan Pfister leitet die Abteilung Pädiatrische Neuroonkologie im Deutschen Krebsforschungszentrum und arbeitet als Pädiater in der Kinderklinik des Universitätsklinikums Heidelberg. Mit seinen Mitarbeitern analysiert er das Erbgut der drei häufigsten Hirntumoren beim Kind, des niedriggradigen Astrozytoms, des Medulloblastoms und des Ependymoms. Die Arbeiten sind Teil des Internationalen Krebsgenom-Konsortiums, das vom Bundesforschungsministerium und der Deutschen Krebshilfe finanziert wird.

Stefan Pfister hat mit seinem Team in den letzten Jahren Biomarker für den Krankheitsverlauf und das Therapieansprechen entdeckt, die teilweise bereits klinisch eingesetzt werden. Darüber hinaus identifizierte er mit seinem Team auch Erbgutveränderungen, die die Möglichkeit zum therapeutischen Eingreifen bieten. So fanden die Forscher bei über der Hälfte aller niedriggradigen Astrozytome einen Fehler im genetischen Bauplan des krebsfördernden Gens BRAF. Da heute bereits Wirkstoffe zugelassen sind, die das mutierte BRAF gezielt blockieren, eröffnet diese Entdeckung neue Chancen für die betroffenen Kinder.

Das Medulloblastom, der häufigste Hirntumor bei Kindern, wird in Deutschland jedes Jahr über hundertmal diagnostiziert. Anhand mehrerer charakteristischer Erbgutveränderungen konnten Pfister und seine Kollegen diese Erkrankungen in fünf verschiedene Risikogruppen einteilen. Bei Kindern aus der Gruppe mit der besten Prognose können die Ärzte nun riskieren, die Intensität der Therapie zu reduzieren und damit mögliche Spätfolgen der Behandlung zu vermeiden. Der Erbguttest, der auch in der Routinediagnostik durchzuführen ist, identifiziert auf der anderen Seite auch Hochrisikopatienten, die mit den üblichen Untersuchungen nicht erfasst werden. Diese Kinder können nun von Anfang an intensiver behandelt und damit ihre Heilungschancen verbessert werden.

Mit dem translationalen Teil des Deutschen Krebspreises, der in diesem Jahr zum zehnten Mal verliehen wird, zeichnet die Deutsche Krebsgesellschaft Arbeiten aus, die experimentelle Ansätze in die klinische Forschung übertragen. In der Kategorie „Translationale Forschung“ wurde neben Professor Dr. Pfister außerdem Professor Dr. Roman Thomas vom Max-Planck-Institut für Neurologische Forschung in Köln geehrt. Den experimentellen Deutschen Krebspreis erhält Professor Dr. Lars Zender vom Universitätsklinikum Tübingen, der klinische Preis ging an Professor Dr. Volker Heinemann von der Universitätsklinik München und an Professor Dr. Alexander Katalinic an der Universität Lübeck. Die Preisverleihung findet am 21. März anlässlich der AEK-Tagung am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg statt.

Ein Bild von Stefan Pfister steht im Internet zur Verfügung unter:
www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2012/images/Portrait_Pfister.jpg

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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