Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Schützenfestzelte in Nordrhein-Westfalen: Schadstoffbelastung durch Tabakrauch höher als in Kneipen

Nr. 48 | 25.09.2012 | von MPL/Sel

Die Atemluft in Festzelten ist in erheblichem Maße mit Schadstoffen aus dem Tabakrauch belastet. Das ergaben Messungen im Auftrag des Deutschen Krebsforschungszentrums auf Schützenfesten in Nordrhein-Westfalen, die in einer neuen Publikation der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Die  Tabakrauchbelastung in den Festzelten lag sogar über den Werten, die zuvor in Kneipen und Diskotheken gemessen worden waren.

Bild: Günter Havlena, pixelio.de

Die Messungen fanden Ende August bis Mitte September auf zwei Dorfschützenfesten sowie dem Neusser Bürgerschützenfest und dem Bundesschützenfest in Hürth statt. Im Schnitt war die Konzentration lungengängiger Partikel in den Festzelten mehr als fünfzig Mal so hoch wie im Freien. An manchen Standorten innerhalb der Zelte erreichte die Tabakrauchbelastung Spitzenwerte, wie sie im Jahr 2005, also vor der Einführung des bundesweiten Nichtraucherschutzgesetzes, in vollkommen verrauchten Zugbistros gemessen wurden.

Dabei standen die Eingangstüren und Fenster während der gesamten Messdauer offen. Bei geschlossenen Türen und Fenstern dürfte die Konzentration an Schadstoffen in den Zelten noch deutlich höher sein. Die Messungen wurden im Auftrag des Deutschen Krebsforschungszentrums durch das umwelttechnische Ingenieurbüro Biomess (Korschenbroich) durchgeführt und von der Dieter-Mennekes-Umweltstiftung finanziert.

"Schützenfeste sind genauso wie Karnevalsfeiern Feste für die ganze Familie", so Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum: "Auch während der Messungen bei Abendveranstaltungen waren Kinder anwesend. Dass sie in den Festzelten schutzlos dem Tabakrauch ausgesetzt werden, kann und darf so nicht bleiben." Die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention begrüßt deshalb nachdrücklich das Vorhaben der nordrhein-westfälischen Landesregierung, die geltenden Ausnahmeregelungen für Festzelte und Brauchtumsveranstaltungen zu streichen.

Die aktuelle Untersuchung bestätigt, was der nordrhein-westfälische Hotel- und Gaststättenverband schon vor Jahren bemängelt hat. In einer Stellungnahme vom Oktober 2007 hatte der Dehoga NRW konstatiert: ""Es ist nicht ersichtlich, warum in Festzelten -auch wenn sie nur vorübergehend  aufgestellt werden, was der Belastung keinen Abbruch tut - geraucht werden darf, wo dort mehr Familien mit Kindern anzutreffen sind, als das in Kneipen oder Bars der Fall ist."
Die Veröffentlichung des Deutschen Krebsforschungszentrums "Tabakrauchbelastung in Festzelten – Messergebnisse aus Nordrhein-Westfalen" kann bei der Stabsstelle Krebsprävention bestellt werden unter:
who_cc@dkfz.de

oder abgerufen werden unter:
http://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/AdWfP/AdWfP_Tabakrauchbelastung_in_Festzelten.pdf

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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