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National Center for Radiation Research in Oncology Dresden / Heidelberg gegründet

Nr. 49 | 21.09.2010

Bundesforschungsministerin Schavan und Sächsische Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer geben Startschuss für zukunftsweisendes Forschungszentrum / OncoRay Dresden verbindet sich mit HIRO aus Heidelberg
Gemeinsame Pressemitteilung des Heidelberger Instituts für Radioonkologie (HIRO) und OncoRay - Zentrum für Medizinische Strahlenforschung in der Onkologie

Vergrößerte Ansicht Rechnergesteuerte Strahlenblende („Multi-Leaf-Kollimator“) | © dkfz.de

Mit der Enthüllung einer Stele fällt am Dienstagnachmittag (21. September) der Startschuss für das „National Center for Radiation Research in Oncology Dresden/Heidelberg“. Die Forschungscluster OncoRay in Dresden sowie HIRO in Heidelberg schließen sich zusammen und verfügen so gemeinsam über eine Infrastruktur und Kompetenz in der Strahlenforschung, die selbst im internationalen Vergleich ihresgleichen sucht. An der Gründungsveranstaltung auf dem Campus der Dresdner Universitätsmedizin nahmen neben den Vertretern der Trägerinstitutionen aus Dresden und Heidelberg die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Annette Schavan, die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Prof. Sabine von Schorlemer, sowie Vertreter aus Wissenschaft und Politik teil.

„Das Nationale Zentrum kann einen bedeutenden Beitrag zur besseren Heilung von Krebserkrankungen leisten, nicht zuletzt dank der vorbildlichen Zusammenarbeit exzellenter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen“, zeigte sich Bundesforschungsministerin Annette Schavan überzeugt. „Die Gründung dieses Zentrums ist ein gelungenes Beispiel für die Deutsche Einheit“, unterstrich die Ministerin angesichts des 20. Jahrestages der Wiedervereinigung auch die gesellschaftliche Bedeutung der Kooperation zwischen Dresden und Heidelberg. Die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Prof. Sabine von Schorlemer, würdigte die Gründung des „National Center for Radiation Research in Oncology Dresden/Heidelberg“ als einen Beweis für die außerordentliche Leistungsfähigkeit der DresdnerForschungseinrichtungen sowie der Hochschulmedizin. "Oncoray entwickelt mit seiner Kompetenz in der Strahlenforschung modernste Therapiemöglichkeiten gegen den Krebs und erhöht damit die Heilungschancen von erkrankten Patienten. Es ist ein starker Partner in den „Life Sciences“ in Dresden und einer der Innovationsmotoren in der Spitzenforschung. Durch die Zusammenarbeit mit den Kollegen in Heidelberg wird auch in Zukunft diese Infrastruktur und gebündelte Kompetenz in der Strahlenforschung weltweit zur absoluten Spitzengruppe gehören", sagte die Wissenschaftsministerin und dankte in diesem Zusammenhang dem Bund und den an diesem Zentrum beteiligten Institutionen für die gute Kooperation. Auch die Landesexzellenzinitiative im Freistaat Sachsen habe den Weg für das Nationale Zentrum geebnet. Außerdem betonte Prof. Sabine von Schorlemer, dass die Gesundheitswirtschaft aufgrund des medizinischen Fortschritts und des demografischen Wandels inzwischen eine tragende Säule der Wertschöpfung geworden sei.

„Wir freuen uns, gemeinsam mit den Kollegen aus Heidelberg den Titel „National Center for Radiation Research in Oncology“ zu erhalten. Diese Auszeichnung sehen wir als Würdigung unserer seit mehr als zehn Jahren intensiv vorangetriebenen Forschungsarbeit“, so die beiden Sprecher des neuen OncoRay-Zentrums, Prof. Michael Baumann und Prof. Roland Sauerbrey (FZD). OncoRay ist eine gemeinsame Einrichtung der TU Dresden, des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden sowie des Forschungszentrums Dresden-Rossendorf. Im Mittelpunkt der neuen Forschungseinrichtung in Dresden steht die Protonentherapie.

„Auf dem Campus der Dresdner Hochschulmedizin werden Wissenschaftler und Ärzte den Einsatz von Protonen in der Krebstherapie patientennah und jenseits kommerzieller Zwänge weiterentwickeln“, erklärt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden. Vorteil dieser ersten Protonentherapieanlage Ostdeutschlands ist, dass Patienten frühzeitig von weiteren Innovationen dieser noch neuen Therapieform profitieren werden. Das ist ein wesentlicher Grund für das Universitätsklinikum, sich an der Millioneninvestition zu beteiligen. „Um innovative Ergebnisse in der onkologischen Strahlenforschung zu erzielen, ist ein hohes Maß an interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Medizinern, Physikern und Biologen notwendig. Dieses ist in Dresden vorhanden“, so der Wissenschaftliche Direktor des FZD, Prof. Roland Sauerbrey, „und zeigte sich zuletzt an den ersten erfolgreichen Zellbestrahlungen mit laserbeschleunigten Protonen, die an unserem Hochleistungslaser Draco im Forschungszentrum erst vor kurzem durchgeführt wurden.“ Neben der Erforschung neuer Strahlenarten entwickeln die Forscher von OncoRay unter anderem molekulare Medikamente, mit denen Tumorzellen empfindlicher für die Strahlentherapie werden. Ein weiteres Ziel der Wissenschaftler ist die Entwicklung biologischer Bildgebungsverfahren mit denen sich Tumorpatienten präziser und gleichzeitig individueller behandeln lassen.

Auch Heidelberg ist ein Vorreiter in der Strahlentherapieforschung: „Mit dem Heidelberger Institut für Radioonkologie HIRO verfügen wir über ein international besonders herausragendes Forschungscluster auf dem Gebiet der Strahlenforschung in der Onkologie“, sagt Professor Otmar Wiestler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums. HIRO vereinigt die Strahlentherapieforschung am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), dem Universitätsklinikum Heidelberg, dem Heidelberger Ionenstrahltherapiezentrum HIT am Universitätsklinikum Heidelberg, sowie dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT). So ist das Ende 2009 in Betrieb genommene HIT die europaweit einzige Ionenstrahltherapie-Anlage, die nicht nur Protonen, sondern auch schwere Ionen zur Bestrahlung bei Krebspatienten einsetzt. An der Entwicklung dieser Schwerionen-Therapie war auch das Forschungszentrum Dresden-Rossendorf beteiligt. Weltweit einmalig ist die drehbare Gantry, mit der der Therapiestrahl so um den Patienten herumgeführt wird, dass der Tumor von allen Seiten bestrahlt werden kann. Ebenso prominent sind die Entwicklungen aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum zur Präzision der Bestrahlung durch intensitätsmodulierte Strahlenfelder oder die molekularbiologisch optimierte Therapie, die etwa darauf zielt, das Therapieansprechen von Tumoren durch den Nachweis molekularer Marker vorherzusagen.

Parallel zur Gründung des Nationalen Zentrums für Strahlenforschung in der Onkologie startet in Dresden das Bauvorhaben für eine patientenorientierte Forschungs- und Entwicklungsplattform für innovative Technologien zur Diagnostik und Strahlenbehandlung. Weltweit einmalig an dem Forschungsvorhaben ist, dass in dem bis 2013 fertig gestellten Neubau neben einem konventionellen Protonenbeschleuniger ein zweites Gerät aufgebaut wird, das die Protonen mithilfe von Laserstrahlen beschleunigt. Obgleich die neue Lasertechnologie die Teilchen mit einem wesentlich geringeren technischen wie finanziellen Aufwand beschleunigen kann, erwarten die Forscher von der Wirkungsweise und Intensität des Verfahrens Vorteile gegenüber den derzeitigen Geräten. Um dies wissenschaftlich überprüfen zu können, ist die neue Anlage so konzipiert, dass die konventionell und die per Laser beschleunigten Teilchen in das selbe Forschungslabor geleitet werden können. Mit dem mittelfristig entwickelten und aufgebauten Laser-Protonenbeschleuniger können dann auch Patienten behandelt werden. „Damit entsteht eine Hochtechnologieplattform zur patientenorientierten Forschung, die in dieser Form weltweit einmalig ist“, sind Prof. Baumann und Prof. Sauerbrey überzeugt. „Unsere beiden Standorte ergänzen sich in hervorragender Weise, gemeinsam bilden wir das gesamte Spektrum der Strahlentherapieforschung ab“, betonten die Initiatoren des Nationalen Zentrums Radiation Research in Oncology Dresden/Heidelberg, Michael Baumann und Otmar Wiestler. „Nur durch strategische Partnerschaften, in die auch die Industrie einbezogen werden muss, können wir im internationalen Wettbewerb bestehen.“

Ein Bild zur Pressemitteilung steht im Internet zur Verfügung unter
http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2010/images/Kollimator.jpg

Bildquelle: Marco Müller, Deutsches Krebsforschungszentrum
Legende: Rechnergesteuerte Strahlenblende („Multi-Leaf-Kollimator“)

Kontakte

Heidelberger Institut für Radioonkologie (HIRO)
c/o Deutsches Krebsforschungszentrum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Stefanie Seltmann
Telefon: +49 6221 42 2854
Fax: +49 6221 42 2968
E-Mail: S.Seltmann@dkfz.de
www.dkfz.de

OncoRay - Zentrum für Medizinische Strahlenforschung in der Onkologie
c/o Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Pressestelle:
Holger Ostermeyer
Telefon +49 351 458 41 62
Mobil: +49 162 255 08 99
Fax: +49 351 449 210 505
E-Mail: pressestelle@ uniklinikum-dresden.de
www.oncoray.de

Forschungszentrum Dresden-Rossendorf e. V.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christine Bohnet
Tel.: +49 351 260 24 50
Mobil: +49 160 96 92 88 56
Fax: +49 351 260 27 00
E-Mail: c.bohnet@fzd.de
www.fzd.de

Universitätsklinikum Heidelberg
Pressestelle
Dr. Annette Tuffs
Tel.: +49 6221 56 45 36
Fax: +49 6221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de
www.klinikum.uni-heidelberg.de

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Letzte Aktualisierung: 21.09.2010 Seitenanfang