Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Keine Entwarnung für Frauen in Deutschland - längere Hormonersatztherapie erhöht Brustkrebsrisiko auch hierzulande

Nr. 32 | 28.05.2008 | von (Koh)

Auch für Frauen in Deutschland ist nun nachgewiesen: Wird eine Hormonersatztherapie über mehr als fünf Jahre eingenommen, erhöht sich das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Das Risiko ist während der Zeit der Hormoneinnahme deutlich erhöht, sinkt jedoch fünf Jahre nach Absetzen der Präparate wieder auf das Ausgangsniveau. Dies ergab eine Untersuchung des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Die Deutsche Krebshilfe förderte die Studie mit 2,7 Millionen Euro.

"Nehmen oder nahmen Sie Hormone ein? Wenn ja, welches Präparat und wie lange? Wann wurde die Therapie abgesetzt?" 3.464 Brustkrebs-Patientinnen und 6.657 gesunde Frauen im Alter von 50 bis 74 Jahren gaben im Rahmen einer großen Studie detailliert Auskunft über die Hormone, die sie zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden einnehmen oder in der Vergangenheit eingenommen hatten. Anlass der Befragung war "MARIE", eine Fall-Kontroll-Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Ziel dieser Untersuchung, die über sechs Jahre lief und von der Deutschen Krebshilfe finanziert wurde, war, die Auswirkung der Hormone – sowohl allein als auch im Zusammenhang mit anderen Faktoren – auf das Brustkrebsrisiko zu erfassen.

Bei Frauen, die schon einmal Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden eingenommen haben, erhöht sich das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, um 37 Prozent gegenüber Frauen, die nie eine Hormonersatztherapie (HT) angewandt haben. Direkt während der Zeit der Hormoneinnahme ist das Risiko sogar um 73 Prozent erhöht. Innerhalb von fünf Jahren nach dem Absetzen der Therapie sinkt das Brustkrebsrisiko ehemaliger HT-Anwenderinnen wieder auf das der "Nie-Anwenderinnen". "Diese Ergebnisse der MARIE-Studie bestätigen Befunde einer amerikanischen und einer britischen Untersuchung (Women`s Health Initiative Study und Million Women Study), die in den Jahren 2002 und 2003 Aufsehen erregten", erklärt der Studienleiter Professor Dr. Wilhelm Braendle, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

"Es wurde häufig eingewandt, die Ergebnisse der amerikanischen Studie ließen sich nicht auf Deutschland mit seinen ganz anderen Verschreibungsgewohnheiten übertragen. Daher haben wir die verschiedenen Hormonpräparate, vor allem die unterschiedlichen Gestagene, genau erfasst. Dabei kommen wir zu ähnlichen Resultaten wie die Amerikaner", fasst Professor Dr. Jenny Chang-Claude aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum zusammen. "Mit unseren neuen Daten geben wir den Ärzten in Deutschland solide Informationen an die Hand, um ihre Patientinnen über Nutzen und Risiken einer Hormonersatztherapie zu beraten."

Die MARIE-Studie bestätigt auch die unterschiedlichen Effekte verschiedener Hormonpräparate: Bezogen auf das Risiko der Nie-Anwenderinnen verdoppelt eine Kombinationstherapie mit Östrogen und Gestagen das Brustkrebsrisiko, eine Östrogen-Monotherapie lässt es dagegen nur um 15 Prozent ansteigen. In beiden Fällen erhöht sich das Risiko aber nur, wenn die Hormone über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren eingenommen wurden.

"Die Hormonersatztherapie hat offenbar auch unterschiedlichen Einfluss auf die verschiedenen Typen von Brustkrebs", erläutert Braendle. "Das Risiko, an einem der selteneren lobulären oder tubulären Karzinome zu erkranken, steigt unter HT doppelt so stark wie das Risiko der häufigen duktalen Karzinome, die 40 bis 75 Prozent aller bösartigen Tumoren der Brust ausmachen.

Dieter Flesch-Janys, Tracy Slanger, Elke Mutschelknauss, Silke Kropp,Nadia Obi, Eik Vettorazzi, Wilhelm Braendle, Gunter Bastert, Stefan Hentschel, Jürgen Berger, and Jenny Chang-Claude: Risk of Different Histological Types of Postmenopausal Breast Cancer by Type and Regimen of Menopausal Hormone Therapy. International Journal of Cancer 2008, DOI 10.1002/ijc.23655

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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