Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

International Journal of Cancer, Band 119 (6), erschienen

Nr. 71 | 31.08.2006 | von (IL/JR)

Die neue Ausgabe des "International Journal of Cancer" (IJC), Band 119 (6), beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl auf die Häufigkeit von Tumorerkrankungen in Europa. Weitere Beiträge betreffen genetische Veränderungen im Bindegewebe von Eierstocktumoren und den Nachweis verstreuter Tumorzellen im Knochenmark von Patientinnen mit frühem Brustkrebs. Die Druck¬version des IJC erscheint am 15. September 2006.

Infolge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im April 1986 kam es zu einer Ausbreitung radioaktiver Nuklide über weite Teile Europas. Um abzuschätzen, wie diese Strahlenbelastung die Krebshäufigkeit in Europa beeinflusst hat, werteten Cardis et al. nationale Krebsstatistiken aus und wendeten dabei auch neue Risikomodelle an. Diese Vorhersagen ergaben, dass etwa 0,01% aller Tumorerkrankungen in Europa, die nach 1986 aufgetreten sind und voraussichtlich bis 2065 auftreten werden, auf den Reaktorunfall von Tschernobyl zurückzuführen sind. In Übereinstimmung mit dieser Prognose zeigte die Analyse der nationalen Krebsstatistiken keinen Anstieg der Tumorrate in Europa im Zeitraum von 1985-2000. Hiervon ausgenommen ist Schilddrüsenkrebs, dessen gehäuftes Auftreten in den am stärksten kontaminierten Regionen Weißrusslands, der Ukraine und Russlands in direktem Zusammenhang mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und der Aufnahme von radioaktivem Jod steht.

Die Wechselwirkung mit der Umgebung spielt eine wichtige Rolle für die Entstehung und Entwicklung eines Tumors. Häufig weist das den Tumor umgebende Bindegewebe ebenfalls genetische Veränderungen auf. Tuhkanen et al. wiesen in 11 Eierstocktumoren parallele genetische Veränderungen sowohl im Tumor als auch im umgebenden Bindegewebe nach, was die Vermutung stützt, dass Tumor- und Bindegewebszellen von einer gemeinsamen Vorläuferzelle abstammen könnten bzw. sich gegenseitig beeinflussen.

Die Existenz verstreuter Tumorzellen im Knochenmark ist bei Brustkrebspatientinnen mit einem erhöhten Rückfallrisiko verbunden und daher ein wichtiger prognostischer Indikator.
Noch gibt es jedoch keinen geeigneten Marker, um im Knochenmark verborgene Brusttumorzellen zuverlässig zu entdecken. Freire et al. prüften, ob sich Vertreter einer Enzymfamilie, die bei Brustkrebs häufig verändert auftritt, als Marker für verstreute Brustkrebszellen eignen. Von den untersuchten Enzymen zeigte eine bestimmte Isoform die höchste Sensitivität. Sie konnte in einer Vielzahl von Brusttumoren, aber nur in 3% der Blutzellproben gesunder Spender nachgewiesen werden.

Die Artikel sind über folgende DOIs abrufbar (www.doi.org):

Cardis et al.: Estimates of the cancer burden in Europe from radioactive fallout from the Chernobyl accident. Published Online: 20 Apr 2006
DOI: 10.1002/ijc.22037
http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/abstract/112595693/ABSTRACT

Tuhkanen et al.: Frequent gene dosage alterations in stromal cells of epithelial ovarian carcinomas. Published Online: 26 Apr 2006
DOI: 10.1002/ijc.21785
http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/abstract/112598410/ABSTRACT

Freire et al.: UDP-N-acetyl-D-galactosamine:polypeptide N-acetylgalactosaminyltransferase 6 (ppGalNAc-T6) mRNA as a potential new marker for detection of bone marrow-disseminated breast cancer cells. Published Online: 4 Apr 2006
DOI: 10.1002/ijc.21959
http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/abstract/112580918/ABSTRACT


Weitere Artikel sind unter folgendem Link verfügbar:
http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/jhome/29331


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International Journal of Cancer
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Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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