1. Hauptnavigation
  2. Navigation des Hauptbereiches
  3. Inhalt der Seite

Zahlen und Fakten zu Darmkrebs

Darmkrebs in Deutschland


© dkfz.de

In Deutschland betrifft etwa jede siebte Krebserkrankung den Darm und es ist die dritthäufigste Krebserkrankung nach Brust- und Prostatakrebs. Für das Jahr 2014 erwartet das Robert-Koch-Institut in seiner Prognose, dass 35.500 Männer und 28.400 Frauen erstmals an Darmkrebs erkranken werden. Im Jahr 2010 gab es 33.800 Neuerkrankungen bei Männern und 28.620 bei Frauen. Im gleichen Jahr starben 13.489 Männer und 12.510 Frauen an einem Darmtumor. Im Mittel waren Frauen 75, Männer 71 Jahre alt, als sie die Diagnose erhielten. Mehr als die Hälfte der Betroffenen erkrankte nach dem 70. und nur etwa 10 Prozent vor dem 55. Lebensjahr. Zwar hat die Zahl der Darmkrebsfälle in den letzten Jahren zugenommen, die Sterberate jedoch ist in den letzten zehn Jahren bei beiden Geschlechtern stark gesunken. Das heißt, dass immer mehr Menschen langfristig mit Ihrem Leiden überleben. Die steigende Fallzahl hängt vermutlich mit der höheren Lebenserwartung zusammen.

Symptome von Darmkrebs und Diagnose

Lange Zeit spüren Betroffene nichts von einem Tumor im Darm. Symptome wie Blut im Stuhl, länger anhaltender Durchfall, chronische Verstopfung oder andere Veränderungen bei der Verdauung treten meist erst zu einem späteren Zeitpunkt auf. Bei derartigen Beschwerden überprüft ein Facharzt (Gastroenterologe) mit einer Darmspiegelung das Organ auf veränderte Schleimhaut. Er entnimmt gegebenenfalls Gewebeproben und lässt diese in speziellen Labors mikroskopisch untersuchen. Nur so kann zwischen gutartigen und bösartigen Veränderungen unterschieden und Darmkrebs sicher diagnostiziert werden.

Behandlung von Darmkrebs

Solange der Tumor noch nicht gestreut hat (Stadium I-III, ohne Metastasen) wird er zunächst chirurgisch entfernt. Im Stadium III, seltener auch in Stadium II, schließt sich in der Regel eine Chemotherapie an, üblicherweise mit Oxaliplatin und 5-Fluoruracil (5-FU), über ein halbes Jahr, verabreicht alle zwei Wochen. Ältere Patienten erhalten oft nur 5-FU, da dies besser verträglich ist. Die Kosten dieser Therapie betragen rund 20 000 Euro pro Patient. Danach erfolgt die strukturierte Nachsorge mit dem Ziel, einen möglichen Rückfall frühzeitig zu erkennen: Hier kommen verschiedene Techniken der Bildgebung zum Einsatz (Ultraschall, Röntgen, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie). Alle 3 Jahre, zum Teil auch häufiger, erhält der Patient eine Darmspiegelung, ebenso wird die Konzentration der Biomarker CEA und oft auch CA 19-9 im Blut des Patienten überprüft.

Moderne zielgerichtete Therapien (monoklonale Antikörper) kommen im Stadium IV (Metastasen) in Kombination mit Chemotherapie zum Einsatz. In der adjuvanten Situation (Stadien II-III) konnte bisher kein Überlebensvorteil durch den Einsatz dieser Antikörper beobachtet werden. Die Antikörper Erbitux® und Vectibix® können im metastasierten Stadium eingesetzt werden, wenn die Gene k-ras und n-ras nicht verändert sind; durch Einsatz monoklonaler Antikörper kann die Überlebenszeit in diesem Stadium statistisch um mehrere Monate verlängert werden. Auch der Antikörper Avastin®, der die Gefäßneubildung in Tumorgeweben hemmt, kommt häufig beim Darmkrebs im Stadium IV zum Einsatz. Die Kosten für Antikörperherapien belaufen sich auf bis zu 10 000 Euro pro Monat, in der Regel wird alle zwei Monate das Ansprechen auf die Therapie per Bildgebung überprüft.
Neue Ideen gegen Darmkrebs sind zum Beispiel Immuntherapien: In einer aktuellen klinischen Studie der Phase I befindet sich ein kleines Molekül, das einen Chemokin-Rezeptor blockiert. Sein Einsatz soll zum Absterben der Tumorzellen führen, der Tumor soll nekrotisch werden. Dies führt zur Schrumpfung von Metastasen. Das Blockieren des Rezeptors hat auch einen immunologischen Effekt: Die Resistenz des Tumors gegenüber Angriffen des körpereigenen Immunsystems wird durchbrochen, die Zusammensetzung der Immunzellen im Tumor wird verändert: Es wandern mehr tumorspezifische aktive Immunzellen in den Tumor ein, die Immunabwehr unterdrückenden Immunzellen werden reduziert.
Ein weiteres Beispiel für ein sehr frühes Stadium der klinischen Entwicklung sind onkolytische Virotherapien: dabei handelt es sich um Viren, die so verändert wurden, dass sie überwiegend Krebszellen befallen und zum Absterben der Tumorzellen führen.
Die Strahlentherapie kommt vor allem beim Mastdarmkrebs zum Einsatz und wird dabei häufig im Stadium II und III vor einer operativen Entfernung eingesetzt.

Risikofaktoren für Darmkrebs

Am stärksten erhöhen Tabakkonsum und Übergewicht das Darmkrebsrisiko. Es folgen Bewegungsmangel und ballaststoffarme Ernährung, also ein zu geringer Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln. Auch wer regelmäßig Alkohol trinkt oder viel rotes Fleisch beziehungsweise Wurstwaren aus rotem Fleisch isst, erhöht sein Darmkrebsrisiko. Direkte Verwandte von Darmkrebspatienten erkranken überdurchschnittlich häufig. Unsicher ist jedoch, ob dafür gemeinsame krankheitsfördernde Erbanlagen oder der gemeinsame Lebensstil in der Familie verantwortlich sind. Außerdem erhöhen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, in geringerem Umfang das Risiko.

Prävention: Darmkrebs lässt sich verhindern

Die Darmkrebsvorsorge gehört in Deutschland zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm. Für Frauen und Männer ist im Alter von 50 bis 54 Jahren jährlich ein Schnelltest vorgesehen, der verborgenes Blut im Stuhl nachweist. Dieser chemische Stuhltest ist jedoch störanfällig und erkennt Darmkrebsvorstufen nicht zuverlässig genug. Ab dem 55. Geburtstag sollten Männer und Frauen – mit einmaliger Wiederholung nach zehn oder mehr Jahren – eine Dickdarmspiegelung (Koloskopie) in Anspruch nehmen. Der Arzt kann dabei Krebsvorstufen wie Polypen erkennen und gleich entfernen. Im Rahmen des Koloskopie Programms wurden in den Jahren 2003 bis 2010 bundesweit fast 100.000 Fälle von Darmkrebs verhindert und weitere knapp 50.000 Fälle in einem frühen, heilbaren Stadium entdeckt. Noch nicht zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm gehören eine Reihe neuartiger Stuhltests. Sie sollen Bestandteile anzeigen, die von Krebszellen im Darm stammen.

Forschung an Darmkrebs im Deutschen Krebsforschungszentrum

Darmkrebs und Prävention
Professor Dr. Hermann Brenner und seine Mitarbeiter wollen die Prävention und die Früherkennung von Darmkrebs sowie die Lebensqualität der Patienten verbessern. Dazu führen sie große epidemiologische Studien durch – meist in Kooperation mit internationalen Krebsregistern, Partnern aus der Klinik oder aus den biologischen Grundlagenwissenschaften. In solchen Studien haben Sie gezeigt, dass Darmspiegelungen sehr sicher und eine zuverlässige Methode zur Früherkennung sind. Neuere immunologische Tests auf Blut im Stuhl erkennen, laut einer weiteren Studie, Darmkrebs und seine Vorstufen auch zuverlässiger als der Guaiac-basierte Test. Außerdem haben sie beobachtet, dass Männer mit einem negativen Guaiac-Stuhltest häufiger Darmkrebs oder seine Vorstufen haben als Frauen mit einem positiven Testergebnis.

Darmkrebs und Ernährung
Die grundsätzliche Bedeutung der Ernährung bei der Entstehung von Krebs gilt als unbestritten, wobei nur wenige Zusammenhänge so überzeugend bewiesen sind, dass daraus Ernährungsempfehlungen abgeleitet werden können. Professor Cornelia Ulrich und Professor Rudolf Kaaks erforschen in ihren Abteilungen, wie Krebs und Ernährung zusammenhängen.
So ist Professor Rudolf Kaaks Leiter der Studie „Gesundheit, Ernährung, Krebs“, die seit 1994 am DKFZ durchgeführt wird. Sie ist Teil der europäischen Langzeitstudie EPIC, an der mittlerweile 10 europäische Länder mit über 500.000 Studienteilnehmern beteiligt sind.
Professor Cornelia Ulrich leitet unter anderem die „ColoCare“ Studie, in der der Gesundheitszustand und der Lebensstil von Darmkrebspatienten seit deren Diagnose bis zu 10 Jahre danach ausgewertet werden. Die Abteilung interessiert sich dabei für Biomarker und dafür, welche Rolle Sport und Bewegung, sowie Entzündungsreaktionen neben der Ernährung spielen.

Darmkrebs und Gene
Sind die Chromosomen – die Erbsubstanzträger einer Zelle – instabil, kann die Genaktivität außer Kontrolle laufen und die Zelle bösartig entarten. Professor Magnus von Knebel Doeberitz erforscht, welche Faktoren die Stabilität des Erbmaterials beeinträchtigen. Dazu vergleichen er und seine Mitarbeiter die Genaktivität in Tumoren mit der in gesunden Zellen. Finden sich charakteristische Unterschiede, wird in klinischen Studien erprobt, ob sie sich als diagnostische Marker eignen.

Darmkrebs und Viren
Darmkrebs ist besonders in solchen Gegenden häufig, wo viel rotes Fleisch gegessen wird. Professor Harald zur Hausen vermutet, dass Viren der Grund dafür sein könnten. Wird Fleisch nicht vollständig gegart, könnten darin enthaltene Viren überleben und so die Entstehung von Darmkrebs begünstigen. Infrage kommen dabei vor allem Erreger, die auch höhere Temperaturen überstehen können – beispielsweise Polyoma- oder Papillomviren, aber auch so genannte TT-Viren.

Darmkrebs und Immuntherapien
Professor Dirk Jäger und sein Team vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg wollen das Immunsystem von Darmkrebspatienten gezielt beeinflussen und so die Wirkung von Chemotherapien bei metastasiertem Darmkrebs verbessern. Eine Phase-I-Studie hat bereits vielversprechende neue Daten geliefert.
Auch Professor Rienk Offringa will das Immunsystem nutzen, um Krebszellen zu besiegen. Er und seine Mitarbeiter arbeiten an einer Impfung gegen Krebs. Dazu stimulieren sie die so genannten T-Zellen von Darmkrebspatienten im Labor und planen, den Patienten anschließend die eigenen aktivierten Zellen wieder zurück zu implantieren. Diese sollen die Krebszellen im ganzen Körper aufspüren und zerstören. Zurzeit konzentrieren sie sich mit diesem Ansatz jedoch auf den Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Darmkrebs und Stammzellen
Professor Hanno Glimm und sein Team haben markierte menschliche Tumorzellen in Mäuse implantiert. Sie fanden heraus, dass nur aus wenigen Tumorzellen neue Tumoren entstehen können. Besonders interessant: Einige Tumorzellen lösen erst nach mehrfacher Übertragung von Maus zu Maus ein Tumorwachstum aus. Diese Tumorstammzellen befanden sich offenbar in einem Ruhezustand. Das könnte erklären, warum Patienten nach erfolgreicher Operation und anschließender Chemotherapie auch noch Jahre später ein Rückfall erleiden können. Nun wollen die Forscher untersuchen, ob bestimmte Mutationen das Wachstum dieser Tumorstammzellen fördern.

Informationen zu Darmkrebs

Bereits zum 13. Mal ruft die Felix Burda Stiftung den alljährlichen Darmkrebsmonat März aus, um die Bevölkerung über die Krankheit aufzuklären und zur Vorsorge zu motivieren. Der Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum bietet zahlreiche weitere Informationen zum Thema Darmkrebs unter www.krebsinformation.de, per Email unter krebsinformation@dkfz.de oder täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr per Telefon unter 0800 - 4203040.

Darmkrebs in Zahlen

Unter dem nachfolgenden Link finden Sie einige wichtige Kennzahlen zu Darmkrebs als Grafik:

  • Zahl der Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner
  • Sterbefälle pro 100.000 Einwohner
  • Zeitpunkt der Krebsdiagnose
  • Zahl der Neuerkrankungen pro 1.000 Einwohner nach Lebensjahren
  • Lokalisation des Primärtumors

Download

Quellen

Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch Institut

Letzte Aktualisierung: 13.03.2014 Seitenanfang