Arbeitsgruppe Adaptive Immunregulation (G331)
Dr. med. Thomas Luft, PhD
Ein Kernproblem der Transplantationsmedizin besteht in der Vorhersage der Differenzierungsrichtung von Immunantworten – welche am Patienten messbaren Parameter sagen den Verlauf einer Abstoßungsreaktion, einer Graft-versus-Host-Reaktion (GvHD) oder einer schweren Infektion voraus?
Das Immunsystem als adaptives System reagiert auf verschiedenartige Aktivierungsreize mit einer angepassten Antwort, welche den Wirtsorganismus so wenig wie möglich und den pathogenen Erreger bzw. das auslösende Agens so stark wie notwendig beeinträchtigen soll. Dabei werden zelluläre Funktionen, wie z.B. die Sekretion von Zytokinen, Migration, Veränderungen der Oberflächenproteine und Apoptose unabhängig und bedarfsgesteuert reguliert.
Wissenschaftlicher Schwerpunkt der Arbeitsgruppe ist die Untersuchung adaptiver zellulärer Regulationsprozesse. Unsere Arbeitsgruppe konnte ein humanes in vitro Modell Dendritischer Zellen (DC) etablieren und anhand dieses Modells die Regulation adaptiver Prozesse durch Stärke und Persistenz extrazellulärer Stimuli sowie durch intrazelluläre Signaltransduktionswege beschreiben.
Diese in vitro Arbeiten bilden die Grundlage für die Untersuchung adaptiver Immunantworten im Patienten nach Blutstammzelltransplantation (SZT). Vor allem interessieren wir uns für die pathophysiologischen Mechanismen der Graft-versus-Host-Disease (GvHD), einem heterogenen Krankheitsbild mit autoimmun-ähnlichen Charakteristika. Diese Immun-reaktionen stellen einerseits lebensbedrohliche Komplikationen für die Patienten dar, andererseits wird ihnen jedoch auch ein wesentlicher Effekt für den kurativen Erfolg einer SZT zugeschrieben (Graft-versus-Leukemia Reaktion, GvL). Um die vorteilhaften und schädlichen GvHD-Aspekte besser studieren und verstehen zu können, sammelt unsere Arbeitsgruppe prospektiv seit mehreren Jahren Proben von SZT-Patienten. Die Analyse dieser Proben dient nun zur Identifizierung von in vivo Markern adaptiver Immunantworten.