Melanom
Inhaltsübersicht
Im Kontext der Helmholtz-Allianz für Immuntherapie dient das Melanom als Modell für nicht viral verursachte, solide Tumore, die 80 -90 % aller Krebserkrankungen ausmachen. Das Melanom ist die gefährlichste Form von Hautkrebs, über 10.000 neue Fälle werden jährlich in Deutschland gemeldet. Die systemische Therapie des Melanoms ist normalerweise nicht sehr effektiv; Patienten, die Metastasen entwickeln, haben deshalb nur schlechte Überlebenschancen.
Melanome scheinen aber immunogener als viele andere Tumortypen zu sein, so rufen sie häufig spontane Immunreaktionen hervor. Vereinzelt haben Patieneten auch schon sehr gut auf verschiedene Immuntherapien angesprochen. Eine reproduzierbare Effektivität konnte aber bisher nicht erreicht werden. Deshalb bilden Melanome ein besonders gutes klinisches Modell, um neue immuntherapeutische Strategien für solide Tumore zu erproben.
Die wichtigsten Ziele
1. Um die Anregung der cytotoxischen T-Zellen durch Tumorantigene zu verbessern (Tumorvakzinierung) wird ein Modell erprobt, bei dem den für die Präsentation zuständigen dendritischen Zellen, ein Tumorantigen mittels eines Antikörpers angekoppelt wird. Zur Optimierung der für die Vakzinierung eingesetzten Antigene wird zielgerichtet in Tumorlysaten nach geeigneten Antigenen gesucht und synthetische Peptide getestet. An exemplarischen Antigenen wird getestet wie die Vakzinierungstherapie durch Kombination mit anderen Therapien verbessert werden kann (Kombinationsimmunotherapie).
2. Ein wichtiger Ansatz, um die Erkennung zwischen Tumor und Immunsystem zu verbessern, besteht im Transfer von T-Zellen, die in ihrer Affinität für den Tumor optimiert sind. Dies erfolgt durch gentechnisch veränderte T-Zell Rezeptoren. Die Erkennung zwischen Tumor und Immunsystem kann weiterhin verbessert werden, indem die Genexpression in Tumorzellen und Immunzellen durch Medikamente moduliert wird wie z.B. durch Histon Deacetylase Inhibitoren.
3. Es gibt eine genetische Prädisposition für Autoimmunkrankheiten. Wie diese Prädisposition das Ansprechen auf eine Immuntherapie beeinflusst, wird in einer klinischen Studie an Melanompationeten untersucht. Die genetischen Polymorphismen werden nicht nur auf DNS Ebene untersucht sondern die immunologische Diagnostik für einige polymorphe Proteine wird auf der zentralen Immundiagnostik Plattform in alle weiteren Studien der Allianz getragen.
Beteiligte Partner:
Die Gruppe von Prof. Enk hat in präklinischen Modellen bereits Ansätze zur Kombinations-Immuntherapie entwickelt, die effektive T-Zell-Vakzinierung, Effektor-Zell-Rekrutierung und Modulation der Immunsupression einschließen.
Prof. Dr. Alexander Enk
Universitätsklinikum Heidelberg, Universitätshautklinik
Die Gruppe von Prof. Jäger hat das Melanom assoziierte Antigen RAB38/NY-MEL1 identifiziert, das als Vakzinierungs-Antigen in einer klinischen Phase I Studie erprobt werden wird.
Prof. Dr. Dirk Jäger
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Heidelberg
Medizinische Onkologie
Die Gruppe von Dr. Falk ist daran interessiert, Tumorzellen auf der einen Seite und Effektorzellen auf der anderen Seite mit Medikamenten zu modulieren, um die gegenseitige Erkennung zu verbessern. Unter Effektorzellen werden hier außer cytotoxischen T-Zellen auch natürliche Killerzellen eingeschlossen, die dem angeborenen Immunsystem angehören. Die Regulation relevanter Marker durch Medikamente wird mit Hilfe eines Immunomonitoring überwacht, in dem die Gruppe große Erfahrung hat.
Prof. Dr. Christine Falk
Immunomonitoring Gruppe, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Heidelberg. Seit November 2010 Leiterin der Abteilung Transplantationsimmunologie des "Integrated Research and Treatment Centers" (IFB-Tx) der Medizinischen Hochschule Hannover.
Die Gruppe von Prof. Schendel hat Technologien entwickelt, um gentechnisch veränderte T-Zellen zu gewinnen, deren Affinität um 2-3 Zehnerpotenzen höher ist als die in autologen, vom Patieneten isolierten, zytotoxischen T-Zellen.
Prof. Dr. Dolores Schendel
Institut für Molekulare Immunologie, Helmholtz-Zentrum München, Deutsches Zentrum für Gesundheit und Umwelt (HMGU)
Die Gruppe von Prof Schadendorf hat Daten zu genetischen Polymorphismen gesammelt, die die mit Autoimmunität in Melanom assoziiert sind. Eine Datenbank, die mehr als 6000 Melanom-Patienten enthält, steht zur weiteren Verfolgung dieses Ansatzes zur Verfügung. Gleichzeitig ist die Gruppe bei Vakzinierungsansätzen aktiv.
Prof. Dr. Dirk Schadendorf
Klinikum Mannheim, Dermato- Onkologie, Klinische Kooperationseinheit des DKFZ. Seit 2009 Direktor der Klinik für Dermatologie des Universitätsklinikums Essen.